Teil eines Werkes 
12. Band (1830)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

menſchlichen Daſeins nichts weiß und nichts wiſſen kann. Die Vernunft ſieht ſich auf dem Gipfel der irdiſchen Stufenfolge und uͤber ihr iſt das Un⸗ endliche, vor dem der Begriff ſchwindelt, ihr leer, weil ſie keine Bruͤcke, die zu ihm fuͤhrt, zu ſchlagen vermag. In dieſer ſcheinbaren Iſolirung folgt der Menſch zunaͤchſt den Geſetzen der äußern Natur, welche ihn durch ſeine Leidenſchaften und Triebe zur Selbſter⸗ haltung und zum Genuß auffordert; doch unver⸗ kennbar liegt in ihm die Ahnung von etwas Hoͤhe⸗ rem und Beſſerem, das dieſer Beſchränkung auf Sinnengenuß widerſpricht. Die Phantaſie des Menſchen ſucht ſich dieſe Ahnungen deutlich zu ma⸗ chen und kleidet ſie in Bilder und Formen, die nichts Anderes ſind, als Aberglaube und Wahn. Wo dieſe den Menſchen nun nicht mehr zu beftiedigen vermogen, da ſinkt er zuruͤck in das entgegengeſetzte Extrem des Ungluubens, und in beiden Fällen ſind Täuſchung und Irrthum ſein trauriges Loos! Wie in der ſichtbaren Natur, ſo iſt auch in dem geiſtigen Verhältniß unſers Weſens eine Mi⸗ ſchung von Wahrheit und Schein, von Licht und Nacht, von Ordnung und Verwirrung, von Gut