———— S
— 257 —
ihr verſtoßenen Herzen, deſſen zarte Theilnahme ihr jetzt Troſt zu gewähren vermocht hätte! Sie bot jetzt Alles auf, Dalindens Aufenthalt zu erforſchen⸗ Es gelang ihr, zu erkunden, daß ſie bei Frau Selby gewohnt habe; ſie fuhr nun ſelbſt zu dieſer, und der Bericht der guten Alten, wie Dalinde bei ihr ſo traurig, einſam und ſorgenvoll, und doch ſo freund⸗ lich, ſo fleißig gelebt habe, uͤberzeugte ſie vollends von dem Unrecht, das ſie gegen ſie verſchuldet hatte, und in aller Innigkeit der reuevollen Liebe ſchrieb ſie an Dalinde, ihre Verzeihung zu erflehen. Sie adreſ⸗ ſirte den Brief nach dem Gute der Baronin Holſtein, bei der, wie ſie glaubte, Dalinde noch iebte, und dieſe beforderte ihn richtig. Mit Thränen der Ruͤh⸗ rung und der Freude las Dalinde die oft erſehnten, nie gehofften Zeilen; nun war ſie nicht mehr allein in der Welt, nicht mehr fteudenlos und die Gegen⸗
wart fuͤr ſie kein einzelner, von allem Zuſammen⸗
hange mit der Vergangenheit losgeriſſener Punkt ihres Daſeins. Mit der Jugendfreundin fand ſich Hoffnung, Muth, Vertrauen wieder⸗
Caroline ſollte in einigen Monaten zum erſten Male Mutter werden, und in ihrer Seele lebte die Hoffnung, daß ihr Kind im Vater ihr den Gemahl zuruckgeben werde; doch ihrer Liebe war vom Schick⸗ ſal eine herbere Pruͤfung zugedacht. Der Graf hatte ſich mit einem Officier wegen einer Schauſpie⸗ lerin erzuͤrnt, ein Zweikampf war unvermeidlich, und in dieſem fiel ihrem Gemahl das Todesloos. Schwer


