Teil eines Werkes 
11. Band (1830)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

250

Seele der Entſchluß aufblitzen, der armen, verwai⸗ ſeten Dalinde Linſingen ſeine Hand zu reichen? Wie unſicher war ſie nicht, ob ſeine Theilnahme ſeine Neigung Liebe ſei unter guͤnſtigen Verhält⸗ niſſen vielleicht ja, ihr Herz ſagte es ihr, er könnte ſie lieben; aber nun war ſtumme, hoffnungs⸗ loſe Liebe ihr Loos, und in all dem edlen Stolze reiner Jungfraͤulichkeit gelobte ſie ſich, Keinem die Schwaͤche ihres Herzens errathen zu laſſen. Sie faßte den Entſchluß, den Baron zu vermeiden, ſo viel ihre Verhaͤltniſſe ihr dies thun zu koͤnnen ver⸗ goͤnnten; allein wie hätte ihm, deſſen erſte, wahre Liebe ſie war, auch nur die ſchattenartigſte Nuͤance von Kaltſinn in ihrem Betragen entgehen kön⸗ nen? Er trauerte, wenn ſein Blick vergeblich den ihren ſuchte, wenn ſie vermied, ihm zu begegnen, aber unwillkuͤrlich bot er in ſolchen Augenblicken Alles auf, ſie durch verdoppelte Achtſamkeit und ſchweigende, nur ihr allein wahrnehmbare Zärtlichkeit wieder zu der freundlichen Anmuth gegen ihn zuruͤck⸗ zufuͤhren, an deren Erſcheinung die theuerſte Hoff⸗ nung ſeiner Seele geknuͤpft war, und die Liebe ſelbſt ſicherte den Erfolg ſeiner Bemuͤhungen. Die Ba⸗ ronin Holſtein war zu welterfahrne Menſchen⸗ und