— 243 —
Mangel, Sorge, Alles dieſes vereinte ſich, Dalin⸗ dens Geſundheit ſo zerſtörend anzugreifen, daß die Kraft ihrer Seele vergeblich dagegen ankämpfte, und nach einigen Monaten war ſie ſo matt und ange⸗ griffen, daß ſie faſt täglich einige Stunden, unfaͤhig zu jeder Beſchaͤftigung, auf dem Bette ruhend, zu⸗ bringen mußte. Leiſe, wie eine der Nahrung er⸗ mangelnde Flamme, begann ihr Daſein zu verloͤ⸗ ſchen, und mit klagloſer wehmuthsvoller Ergebung fuhlte ſie, um deren Verluſt Keiner trauern und die Keiner vermiſſen wuͤrde, ſich dem Tode geweiht.
In dieſer Zeit erhielt Frau Selby einen Beſuch von dem Baron Stein, deſſen Amme ſie geweſen war, und der, wenn er von ſeinen Guͤtern, wo er lbte, nach Wien kam, ſtets ſelbſt zu ihr ging, ſich nach ihrem Befinden zu erkundigen und ſie durch ſeinen Anblick zu erfreuen. Diesmal fand er die gute alte Frau ſo betrubt, daß er mit wahrer Theil⸗ nahme nach der Urſache forſchte. Sie etzählte ihm nun von dem jungen, engelſchönen Fraͤulein, das, von Gott und der ganzen Welt verlaſſen, ſeit bei⸗ nahe einem Jahre in ihrem Hauſe lebe, und wie es Tag und Nacht arbeite, ſich ſein Bißchen Brod zu erwerben, und nun ſo ſtill und langſam dahin
11


