— 234 —
und Ungluͤck der ganzen Familie, in der Sie le⸗ ben; denn nur Hoffnung allein vermag mich zu bewegen, Carolinens Illuſionen zu ehren.“
Dieſer unheilvolle Brief brach Dalindens Herz in Scham und Unmuth, in Demuͤthigung und Be⸗ truͤbniß. Gerechtfertigt ſtand jetzt Caroline vor ihr. Sie, die ſie mit Wohlthaten uͤberhaͤuft hatte, die ſie, als ſie verlaſſen und verwaiſet war, wie eine Schwe⸗
ſter bei ſich aufgenommen hatte, vergiftete zum Lohn,
wie eine im Buſen erwärmte Schlange, ihr ganzes Lebenegluͤck; ſie raubte ihr das Herz des Mannes, den Caroline ſo unausſprechlich liebte! — Unwiſſent⸗ lich freilich hatte Dalinde, wie die ſtrengſte Nach⸗ forſchung im eigenen Buſen ſie deſſen verſicherte, dies Unglüͤck veranlaßt; nie war in ihrer Seele nur eine Ahnung der frevelhaften Leidenſchaft geweſen, die der Graf ihr in ſeinem Briefe bekannte, und doch haßte ſie ſich ſelbſt, doch hätte ſie ſich ſtrafen moͤgen. und was ſollte ſie jetzt thun, wozu ſich entſchließen? Gewiß verdiente der Mann, der einen ſolchen Brief ſchreiben konnte, nicht Carolinens Gatte zu werden, und ſie war ſchon im Begriff, zu dieſer zu eilen, um ihn ihr mitzutheilen und ihr die Beantwortung


