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Gefuͤhl in mir einen Einfluß auf etwas, was ich fruͤher als wahr und gut erkannt habe, vergoͤnnen. Wir jungen Leute horen ſo oft von erfahrnen Men⸗ ſchen, das Herz ſei der feinſte und gefaͤhrlichſte aller Sophiſten, daß wir wohl nicht zu mißtrauiſch gegen unſre Schwäche ſein koͤnnen, und uns vorzüglich huten muͤſſen, den Zeitpunkt erwachter Neigung zur Pruͤfung unſrer Pflichten und der Gruͤnde unſers Verhaltens benutzen zu wollen. Ich kann mich hierin keines Fehlers zeihen; auch ſcheint mir mein Herz, ſo weit ich es zu ergruͤnden vermag, wohl einer tiefen und unvergaͤnglichen, aber keiner ſo leidenſchaftlich heftigen Empfindung fähig zu ſein, daß das Gleichgewicht meiner Pflichten und Wuͤnſche
dauernd dadurch geſtört werden koönnte. Wenn man
Gott wahrhaft liebt, ſo ruht ja auch dies Gleich⸗ gewicht auf einer unerſchuͤtterlichen Grundlage. So iſt auch in mir, wenn ich an Adolph denke, kein Kampf, kein Streit und alſo auch kein Verdienſt des Sieges, ſondern nur ein ſtilles, wehmuͤthiges Gefuͤhl, von dem mir iſt, als gebe es meinem Leben einen hohern Gehalt, und mir eine Muͤndigkeit, die ich nur durch durch daſſelbe gewinnen konnte.


