— 234 —
Verbrechern, die man zur Strafe in dieſe ewig licht⸗ loſe Tiefe hinabgeſtoßen hat; doch iſt auch unter ih⸗ nen manch treues, redliches Herz, mancher wuͤrdige Familienvater, der, von Kummer und Schickſal ge⸗ druͤckt, Arbeit und Unterhalt in dieſem weiten Grabe ſucht. Ich irrte in der dunkeln Tiefe von Schacht zu Schacht umher, bis die Zeit herbeikam, die die Arbeiter zum Mittagsbrodr und zum Ausruhen rief. Unter ihnen fiel mir ein hoch und ſtolz geſtalteter Mann auf; nie ſah vich hoͤhern Adel der Haltung und der Geſtalt, nie ſchoͤnere Zuͤge, nie ein ſo dunkles Feuerauge voll Schwaͤrmerei, Liebe und na⸗ menloſer Trauer. Blick und Seele konnten, wie durch Zauber gefeſſelt, ſich nicht losreißen von dieſer Erſcheinung, und wie ein dunkles Schickſalsraͤthſel traf mich die Nachricht, dieſer Mann ſei ein auf Lebenszeit zum Bergbau verurtheilter ſchwerer Miſſe⸗ thäter. Ich wollte mich ihm naͤhern und ihn an⸗ reden, da eilte ihm aus einem der Seitengaͤnge mit dem unverkennbaren Ausdruck der innigſten Liebe ein zartes weibliches Weſen entgegen, vor dem ſich alle ſeine Gefaͤhrten ehrfurchtsvoll neigten und das er in ſtummer Umarmung feſt an ſein Herz druͤckte. Dieſe zarte Sylphidengeſtalt, dieſe herrlichen blonden
*


