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zelnen fordere. Alle Tugend ſei auf Selbſtbeherr⸗ ſchung gegruͤndet, und dieſe wieder nur auf Gehorſam und Fleiß. Kindern den Ernſt und die Muͤhe des Lernens erſparen zu wollen, heiße ſie verziehen, ſtatt ſie zu erziehen; faßlich muͤſſe man ihnen Alles machen, nicht leicht. „Was kann aus einem Kinde werden,“ fragte ſie oft, „wenn man ihm die Arbeit zum Spiel zu machen ſucht, und jedem ſeiner Wuͤn⸗ ſche und Geluͤſte auf halbem Wege entgegen kommt? Muß ihm da nicht der Fleiß als Buͤrde, Gehorſam als Laſt erſcheinen? muͤſſen nicht dadurch Widerſetz⸗ lichkeit, Flatterhaftigkeit, Leichtſinn und eine entſchie⸗ dene Abneigung gegen Alles, was Muͤhe und Opfer koſtet, einem ſolchen Weſen zur zweiten Natur werden?“
Gegen Mädchen, glaubte meim Mutter, muͤſſ man in dieſer Hinſicht noch ſtrenger ſein, als gegen Knaben. Gehorſam, Selbſtverlaͤugnung, freudiges, williges Fuͤgen in abhaͤngige Verhaͤltniſſe ſeien nun einmal die unausweichlichen Bedingniſſe des weiblichen Gluͤckes, wie dieſes durch unſre burgerlichen Verhältniſſe modificirt werde, und Maͤdchenerziehung muͤſſe daher ſchon in fruͤheſter Kindheit eine ſo ununterbrochene Uebung in dieſen Tugenden ſein, daß ſie nicht als Pflichtuͤbung, ſondern als Gewohnheit des Daſeins


