Teil eines Werkes 
7. Band (1830)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

meinem Vater. Der ernſte, gegen Frau und Kind ſtets einſylbige Mann bog ſich, als ich ſeine Hand an meine Lippen druͤckte, zu mir nieder, mich auf die Stirn zu kuͤſſen:Du haſt eine brave Mut⸗ ter,ſagte er, gib Dir Muͤhe, ihr aͤhnlich zu wer⸗ den; Beſſeres weiß ich Dir nicht zu wuͤnſchen. Dies Lob meiner Mutter, das ich zum erſten Mal von dem Vater hoͤrte, begluͤckte mich ſo, daß ich, der gewohnten ehrfurchtsvollen Scheu vergeſſend, mich um ſeinen Hals warf; er druͤckte mich liebevoll an ſein Herz, und umſchloß mit dem andern Arm meine Mutter, die wie verklaͤrt auf uns hinblickte.

Nie habe ich dieſes Auftrittes vergeſſen; er iſt mir zeitlebens eins der theuerſten Heiligthuͤmer mei⸗ ner Erinnerung geblieben.

Meine Mutter war wohl eine der ſchoͤnſten, froͤmmſten und liebevollſten Seelen, die je hienieden vor Gott in Demuth und Treue gewandelt haben. Ich war ihr einziges Kind, und Alles was Gutes an mir iſt, habe ich ihr allein zu danken. Noch jetzt bin ich mir keines Gefuͤhls, keines Gedankens als meines ausſchließlichen Eigenthums bewußt; mir iſt noch jetzt, viele Jahre nach ihrem Verluſt, als wenn ſie in mir fortlebe, und je reiner und ſtiller