Luft genoſſen hatte; einzig nur mit ihr beſchäftigt und ihr eignes Leben an den matter werdenden Pulsſchlaͤgen Sophiens abzählend, und das ohne Thraͤne, ohne Seufzer, ohne Klage, ſtumm, in frommer Geduld, ſich der innern Gewißheit freuend, ihr Leben ſei mit dem ihrer Zwillingsſchweſter un⸗ trennbar verknuͤpft.
Mit dem Schlage der Mitternacht athmete Sophie ihr Leben ſanft in ihren Armen aus. Bis zum Morgen blieb ſie allein bei der Todten; dann erſt weckte ſie den Vater mit der Trauerbotſchaft. Man ſah ſie zum Marmorbild erblaßt, doch ruhig und ohne Thräͤne. Nur Treuburg's Anblick, ſein Schmerz ſchien ſie zu erſchuͤttern; nur in der Liebe zu ihm ſchien ſie noch der Erde anzugehoͤren. In eben ſo ſtill ernſter Faſſung beſorgte ſie Sophiens Begraͤbniß. Bei der Ruͤckkehr von demſelben fuhr ſie zu ihrem Arzt, einem vieljährigen, treu erpruͤf⸗ ten Freund ihres Vaters.
„Ich komme,“ ſagte ſie zu ihm, „Sie um ein Sterbelager zu bitten, da es meinen Vater zu ſchmerzlich erſchuͤttern wuͤrde, auch die zweite Toch⸗ ter als Leiche ſein Haus verlaſſen zu ſehen. Be⸗


