Teil eines Werkes 
6. Band (1830)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Wie ſuͤß bethoͤrend lächelte ihn dagegen das Bild der ſechzehnjaͤhrigen, bluͤhend ſchoͤnen, mit dem Zauber von Geiſt, Herz und Talent verkläͤrten The⸗ reſe an! Stunden, wie er ſie bei dieſer verlebt hatte, hatte er in Sophiens Arm nie kennen ge⸗ lernt, ob er gleich, von Sophien geliebt, ſich, Thereſen gegenuͤber, nicht einmal die Ahnung er⸗

laubt hatte, welchen Himmel ihre Liebe zu verſchen⸗

ken habe. Doch nahm er ſich in edlem Willen ernſt zuſammen und bot Alles auf, um ſeiner Braut die alte Liebe, die alte Herzlichkeit zu zei⸗ gen; wer aber vermag das Herz eines wahrhaft liebenden Weibes zu täuſchen, wenn es ehemals durch Fuͤlle, koſtliche Fuͤlle der Liebe begluͤckt, jetzt durch den vorgeſpiegelten Schein derſelben befriedigt werden ſoll?

Sophiens Herz und Leben erlag vor dieſer Ent⸗ deckung. Sie konnte ihm keinen Vorwurf machen; er war treu, ſein jetziges Betragen gegen ſie tadel⸗ frei, voll liebevoller Neigung und zarter Aufmerk⸗ ſamkeit; aber ſie fuͤhlte, daß ſie die Macht ver⸗ loren hatte, ihn zu beglucken, und wo iſt im Him⸗ mel und auf Erden Troſt fuͤr ein weibliches Herz,