Teil eines Werkes 
6. Band (1830)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

15

mit einigen haͤuslichen Anordnungen beſchaftigt, noch unten geblieben war. Sophie hatte den fur weibliche Jugendbluͤthe und Geſundheit ſo feindlich zerſtörenden Kelch einer unglucklichen Liebe in einer von Treuburg nicht geahneten, und uͤberhaupt von Männern nur ſel⸗ ten begriffenen Bitterkeit gekoſtet; ihre Geſundheit hatte ſehr gelitten, ihr Nervenſyſtem war erſchuͤttert und durch den Schmerz dieſer Trennung und der An⸗ ſtrengung, mit der ſie dieſen vor dem Vater zu be⸗ herrſchen geſtrebt hatte, unnatuͤrlich gereizt.

Ganz in ſich verloren, tief in die leidenſchaft⸗ lichſte Sehnſucht, Treuburg nur noch einmal zu ſehen, verſenkt, trat ſie in ihr Zimmer, und als ſie, das Licht auf den Spiegeltiſch ſetzend und den Blick zufaͤllig erhebend, im Spiegel die Geſtalt des Freun⸗ des in der dunkelſten Ecke des Zimmers erblickte, ward der Eindruck dieſer geglaubten Geiſtererſcheinung ihrer Phantaſie zu maͤchtig. Mit einem Schrei ent⸗ ſetzlicher Angſt ſtuͤrzte ſie, von convulſiviſchen ſchreck⸗ lichen Kraͤmpfen ergriffen, zu ſeinen Fuͤßen nieder. Johanna hatte den Schrei und den Fall gehoͤrt ſie flog hinauf und fand Sophie in Treuburg's Armen, der in furchtbarer, ſeelenfolternder Angſt die Geliebte zu erwecken ſuchte; in demſelben Augenblick