Teil eines Werkes 
5. Band (1830)
Entstehung
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Eine unendliche Bitterkeit gegen das Schickſal, dem ſie ſo ſchuldlos unterliegen mußte, nahm Be⸗ ſiz von ihrer Seele. Und könnte ich, fragte ſie ſich oft ſelbſt, wenn ich eine Tochter, eine Schweſter, eine Freundin hätte, ihnen ein anderes Reſultat meiner Erfahrungen und Ueberzeugungen geben, als das, daß keine Treue, keine Tugend, keine bewaͤhrte Feſtigkeit der Grundſätze, keine Schuldloſigkeit gegen die Gräßlichkeit eines Daſeins, wie das meinige, zu ſchuͤtzen vermag? Wuͤßte ich. fur ſie eine groͤßere Wohlthat zu erbitten, als den Tod, oder bloͤdſinnige Geiſtes⸗ und Seelendumpfheit?

Nur ein Andenken aus der Vergangenheit war ihr geblieben, Theodors Ring, der ſich ihrem Finger ſo feſt angeſchmiegt hatte, daß ſie ihn nicht abzu⸗ ziehen vermochte, und der ſeine geheime Kraft, ihr das Bild des geliebten Mannes im Traume vorzu⸗ fuhren, auch noch jetzt bewährte; aber dieſe Träume begluͤckten ihr Herz nicht mehr mit jener Wonne und Wehmuth der Liebe, deren Fülle ſich ſo oft beim Erwachen in Thränen und heißer Sehnſucht auflöſte, wenn ihn ihr der Traum, während ſeiner Reiſe in der Schweiz, ſo einſam, ſo treu, ſo lie⸗ bend und unglucklich zeigte.