die uns in jeder Ahnung der Sehnſucht Liebe und Gluͤck verheißt, und jeder Fruͤhling, jede Bluͤthe, jeder Stern, jede Nachtigall uns zufliſtert: hoffe und liebe, leide und du wirſt gluͤcklich werden.
Vergebens zog daher eine gemeine entſtellende Wirklichkeit ihre Schranken um ſie her; ihr Geiſt entwickelte ſich groͤßer, ihr Herz edler als Alles, was ſie umgab, und die Natur ſelbſt ſchuͤtzte ſie, indem ſie in ihre Seele Empfindungen gelegt hatte, die die Tugend fuͤr ſie zur Idee des hoͤchſten Gluͤ⸗ ckes machten und es ihr zugleich vergönnten, aus dem Gefuͤhl der Schoͤnheit Tugend zu lernen. Ab⸗ hangig, arm, duͤrftig gekleidet, ward ſie bei jeder Gelegenheit zuruͤckgeſetzt und ihre Jugend erbluͤhte unter bittern Thränen und grauſamem Einſamſein; doch in ihrem ſechzehnten Jahre fuͤhlte ſie es ent⸗ ſchieden, daß ſie beſſer war als ihre Verwandten, und daß ſie das Recht habe, ſich ihrer anmaßenden Gewalt uͤber ſie zu widerſetzen; allein mit weiblicher Furcht vor einer Rohheit, deren Pärte ſie oft er⸗ fahren hatte, verbarg ſie dieſe Erkenntniß tief in ihr Herz, da nur das Gefuhl, nicht unbeſtraft beleidigt werden zu koͤnnen, uns Zuverſicht zu unſrer Men⸗ ſchenwuͤrde zu geben vermag.


