Teil eines Werkes 
5. Band (1830)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

1

Menſchen unvermeidlich droht, wenn er ſeinen Stand⸗

punkt im aͤußern Leben zum Ziel ſeines Strebens macht, und eben dadurch ſein Treiben zum Hand⸗ werk, das heißt, zum Mittel fuͤr den Nutzen ernie⸗ drigt. Der Kampf hatte fuͤr Likolf Reize, die dem Beſitz fehlten. Seine innerliche Sehnſucht nach einem unbekannten Gute, ſein Streben, ſich dieſe zu verdeutlichen, ſpielte ſich mehr und mehr traum⸗ artig in's Unendliche hinein. Ohne Freude an ſei⸗ nem Wirkungskreiſe als Staatsburger, ſeinen Ver⸗ hältniſſen als Gatte und Vater entfremdet, irrte er, uneinig mit ſich ſelbſt, ohne Liebe, ohne Glauben, matt und verdrießlich von Taͤuſchung zu Taͤuſchung, bis er Thorilde fand. Im Anfang zog ihn nur die hubſche, geiſtreiche Frau anz ſo wie er ſie aber ge⸗ nauer kennen lernte, erwachte auch in ihm maͤchtig das Gefuͤhl, daß er ohne ihre Achtung nicht leben koͤnne, nicht leben möge. Voll des regſten Sinnes fur das innere Daſein des Menſchen, und wie alle edle Frauen großer durch das, was ſie zu ſein, als zu thun vermochte, erkannte Thorilde bald den edle⸗ ren Gehalt ſeines Weſens, trotz der dumpfen Ver⸗ worrenheit und truͤben Befangenheit, die ihn einengte. Sie nannte ihn Freund, und dies Wort wurde ihm