Teil eines Werkes 
3. Band (1830)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

303

gemäß, zu ihr. Natalie fand ein ſehr reizendes Mädchen, und ihr Herz oͤffnete ſich der Liebe zu dem Weſen, das dem Manne, den ſie mit der lauterſten

eigennuͤtzigkeit liebte, das Gluͤck ſeines Lebens gewaͤhren ſollte. Sie redete ſie mit unverſtellter Herzlichkeit an:

Entſchuldigen Sie es, wenn ſich Ihnen in ſo finſteren Trauerſtunden eine Unbekannte zur Ver⸗ trauten aufdringt. Sie ſind Valuda's Verlobte?

Sie faßte bei dieſen Worten des Maͤdchens Hand, und ſah ihr mit voller Liebe in das Auge, das ſich ſchnell mit Thraͤnen fuͤllte.

Ja, antwortete ſie,ich werde den edlen Mann auch jetzt nicht verlaͤugnen, wo der Tod uns auf ewig zu ſcheiden droht.

Nein, ſagte Natalie raſch und heftig bewegt, er wird leben, ich bringe Hoffnung, und wenn es noch Schutzgeiſter des Guten gibt, Rettung.

Sie zergliederte ihr hier ihren ganzen Plan, und die an Wahrſcheinlichkeit grenzende Moglichkeit ſeines Gelingens, und forderte ſie auf, ſie nach We⸗ ſel zu begleiten, um in dieſem Fall mit Valuda das Schiff zu beſteigen, das ihn nach Amerika zu fih⸗ ren ſchon bereit lag.

Die Seele der Braut bebte vor den Gefahren und der Ungewoͤhnlichkeit dieſer Schritte zuruͤck. Sie weinte, zagte, doch vergebens ſuchte ihr Natalie ihren Muth, ihre Begeiſterung und ihren feſten