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war. Alle Liebe, die Natalie ſeit fruͤhſter Jugend ſo unverſtanden und unerwiedert hingegeben hatte, ward ihr hier als koſtliche Himmelsgabe zuruͤckgege⸗ ben, und in ihrer ganzen Heiligkeit von ihr genoſſen und empfunden.
Der fromme Friede, deſſen Natalie jetzt genoß, und das ſelige Gluͤck dieſer Freundſchaft wurden dem zarten und ermatteten Koͤrper zur Stäͤrkung⸗ Da ſie ohne eine eigentliche Krankheit, nur an dem geiſtigen, langſam nachwirkenden Schmerze fruͤherer Jahre verging, ſo ſchlichen Wochen und Monate langſam voruͤber, ohne daß irgend eine ſichtbarer werdende Desorganiſation ihres Koͤrpers einen ſchnel⸗ len Tod herbeizufuͤhren drohte. Im Gegentheil ſchien ſie, unter Lottens Pflege und im Sonnenſchein ihrer Liebe neu aufzubluͤhen; aber es gibt Zeitpunkte im Leben, wo nicht die Krankheit, ſondern die Seele ſelbſt ihre Huͤlle zerſtoͤrt, weil ſich, zu mächtig fur dieſe, in ihr die Fluͤgel eines freieren Daſeins ent⸗ falten. Nataliens Gefuͤhl, ſie ſei dem Tode geweiht, täuſchte ſie nicht. In einzelnen hellern Momenten fuhlte ſie aber auch eine unſichtbare Gewalt, die ſie an das Leben, wie an ein noch nicht vollendetes Tagewerk feſſelte.


