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ſchuͤchternes, oft fuͤr Einfalt gehaltenes Weſen, ihr ganzlicher Mangel an Kindlichkeit und an jugendli⸗ cher Lebhaftigkeit, zog auch nicht zu ihr hin. Aber wo ihr ein Laut der Liebe, eine Miene milden Wohlwollens entgegen kam, da hing ſie ſich denn auch faſt immer unerrathen von dem Gegenſtande, mit unausſprechlicher, leidenſchaftlicher Innigkeit an. Dieſe fand ſie nie erwiedert, und ſo grub ſich das ſchmerzliche Gefuͤhl des Allein- und Verlaſſenſeins immer tiefer in das jugendliche, verſtimmte Gemuͤth, das keinen andern Troſt hatte, als ſich in ſeiner eignen Tiefe immer heißer zu ſchmerzlichen Gefuͤhlen aufzureizen.
Aber auch im außern Leben ward ſie nur zu oft unzart angefochten. Ein Beiſpiel davon werde aus vielen hier angefuͤhrt.
Ihr Vater kaufte ein nur wenige Meilen von ſeinem Wohnorte gelegenes Gut. Es wurde ver⸗ pachtet, doch mit dem Vorbehalt, daß die Familie jeden Sommer einen Monat dort leben wolle. Na⸗ talie liebte, wie faſt alle jungen Leute, das Land⸗ leben, das ſie bis dahin nur aus Dichtern kannte, und der erſte in Foſerin verlebte Monat wurde der gluͤcklichſte ihres Lebens. Das Gut hatte eine ſehr


