aͤhnlichen Fall. Das Bewußtſein des eignen Un⸗ rechts wurde Bitterkeit gegen die arme kleine Na⸗ talie, die er aus ſeinem Herzen verſtieß. Ihren Platz nahm ein ſpaͤter geborner Knabe ein, dem alle Liebkoſungen, alle Vorzuͤge des Lieblings zu Theil wurden, waͤhrend Nataliens ungewoͤhnlich fruͤh ſich entwickelnder Geiſt den Druck unverdienter Strenge und Harte erleiden mußte. Die Mutter ſuchte ihr dies heimlich und verſtohlen durch innigere Liebe zu erſetzen, ob ſie gleich in Gegenwart ihres Mannes das Kind kaum zu beachten ſchien. Unbeſchreiblich tief wurde das junge Gemuͤth hiervon ergriffen, und der truͤbe Anklang, den es in Natalien weckte, tonte durch ihr ganzes Leben fort.
In ihrem vierten Jahre wurde ſie zu einer alten Demoiſelle in die Schule geſchickt, die keine andern Huͤlfsmittel des Unterrichts kannte, als die Fibel und Luther's Katechismus. Die Bequemlichkeit der Mut⸗ ter, die es läſtig fand, das Kind zu Hauſe zu be⸗ ſchaftigen und zu huͤten, und keine Ahnung davon hatte, daß es auch in der Schule ſchlecht aufgeho⸗ ben ſein koͤnne, ſpannte die Kleine in dies Joch. Trotz der erbaͤrmlichen Anweiſung, lernte ſie in acht
Wochen fertig leſen, und diente nun der pädagogi⸗


