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„Du kommſt, um mich zu toͤdten?“ fragte Olaf leiſe und betaubt, ohne den Blick zu erheben. „In
dieſer Frage,“ antwortete Leo ernſt und duͤſter, „liegt das Urtheil Eures Gewiſſens; doch ich komme jetzt 6 nicht, um mit dem Mann zu rechten, der meiner Ehre und meinem Herzen eine entſetzliche Wunde ſchlug; ich ſtehe jetzt, der Sprecher Eures Volkes, vor Euch, dem Koͤnig meines Landes, um die Klagen deſſelben vor Euer Ohr zu bringen. Als Ihr den Thron beſtiegt, empfing Euch die Liebe Eures Volkes; Ihr beſaßet das Vertrauen deſſelben, und die erſten Monate Eurer Regierung rechtfer⸗ tigten glänzend die Hoffnungen, die es von Eurer Gerechtigkeit, Eurer Weisheit und Milde gefaßt hatte. So verließ ich Euch, und wie finde ich Euch wieder! Das Koͤnigsſiegel reinen Männer⸗ werthes ouf Eurer Stirn iſt verſchwunden; die Kraft Eures Willens, Eures Muthes iſt gebrochen, und Ihr ſeid ein Spielzeug feiler Guͤnſtlinge und Verraͤther geworden, die darauf ausgehen, durch Bedruͤckung und Ungerechtigkeit Euch verhaßt und 2 Euer Volk von Euch abwendig zu machen. Die edelſte Jungfrau Eures Landes liegt, ein Opfe


