Teil eines Werkes 
Die sieben Todsünden : 6. Abtheilung, Der Geiz : drei Bändchen (1851) Les sept péchés capitaux
Entstehung
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Wo bin ich? Iſt es ein Traum? Mein Gott! mein Gott!

Der immer deutlichere Ausdruck dieſer Stimme fiel Louis abermals auf; er bebte leicht; bald aber ſchüttelte er den Kopf und ſagte, mit Bitterkeit lächelnd, leiſe zu ſich ſelbſt:

Ach! das Leidweſen verurſacht ſeltſame Illuſionen bei uns.

Dann ſich mit liebreichem Tone an den Greis wen⸗ dend:

Nun! wie befinden Sie ſich, mein Vater? Bei dieſen Worten richtete ſich der Mulatte auf, er⸗ griff lebhaft die Hand von Louis, ehe ſich dieſer hatte wiverſetzen können, und bedeckte ſie mit Thränen und Küſſen.

Erſtaunt, gerührt von dieſem Erguſſe, ſprach der Gatte von Mariette:

Beruhigen Sie ſich, guter Vater. Ich habe in der That bis jetzt nichts gethan, wodurch ich mir Ihre Dankbarkeit verdienen konnte Eines Tags werde ich vielleicht glücklicher ſein. Doch ſagen Sie, wie be⸗ finden Sie ſich? Haben die Müdigkeit, die Schwäche Ihre Ohnmacht verurſacht?

Der Greis blieb ſtumm und neigte das Haupt auf ſeine Bruſt, ohne die Hand von Louis lyszulaſſen, von der er ſich nicht trennen zu könnnen ſchien; er drückte fie an ſeine unter einer krampfhaften Preſſung keuchende Bruſt.

Von einer ſeltſamen, zunehmenden Gemüthsbewegung ergriffen, fühlte der junge Mann die Thränen in ſeine Augen treten und ſagte:

Guter Vater, hören Sie mich.

Oh! noch einmal, murmelte der alte Mulatte mit erſtickter Stimme,noch einmal!

3. Wie! ich ſoll noch einmal zu Ihnen ſagen: Guter ater!