17
langen, ſchmerzlichen Seufzer ausſtieß, „Tod und Leiden Chriſti!! Das heißt zu viel ausſtehen.“
Mariette trocknete die Thränen, die ihr die höhniſchen, harten Schmähungen der Kranken entriſſen, näherte ſich ihr und ſagte mit einem Ausdruck von Engelsſanftmuth:
„Ihre letzte Nacht war ſo ſchlecht geweſen, daß ich hoffte, der Tag würde gut ſeyn, und Sie würden dieſen Morgen während meiner Abweſenheit ein wenig geſchlafen haben.“
„Ob ich Schmerzen habe oder umkomme, was macht das Dir, wenn Du nur auf den Straßen herumlaufen kannſt!“
„Ich bin dieſen Morgen ein wenig ausgegangen, weil das nothwendig war, meine Pathin, doch als ich wegging, bat ich Frau Juſtin „4
„Ich würde lieber den Tod ſehen, als dieſe Crea⸗ tür Du ſchickſt ſie mir auch, wann Du nur immer kannſt „
en⸗ lächelte mit einer ſchmerzlichen Bitterkeit, erwiederte nichts auf dieſen neuen rohen Spott und ſagte nur mit mildem Tone:
„Meine Pathin, ſoll ich Ihren Arm verbinden?“
„Nein, die Stunde iſt vorüber; Du haſt es mit Fleiß gethan.“
„Es thut mir leid, wenn ich im Verzug geweſen bin, doch erlauben Sie mir immerhin, Sie zu verbinden.“
„Laß mich in Ruhe.“
„Aber, meine Pathin, die Wunde wird ſich verſchlim⸗ mern.“
„Das willſt Du ja.“
„Meine Pathin, ich bitte Sie!“
„Komm nicht in meine Nähe.“
„Ich werde warten,“ ſprach ſeufzend das Mädchen; dann fügte es bei: „ich hatte Frau Juſtin beauftragt⸗ Ihre Milch heraufzubringen; hier iſt ſie. Soll ich ſie warm machen?“
Der Geiz. 2


