Teil eines Werkes 
Die sieben Todsünden : 6. Abtheilung, Der Geiz : drei Bändchen (1851) Les sept péchés capitaux
Entstehung
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Milch, immer Milch! es wird mir übel davon. Der Arzt befahl, mir kräftige Bouillon, gemacht von gutem Fleiſch und einer halben Henne, zu geben ... Ahl ja wohl, ich habe bekommen . Montag und Dienſtag, und dann nichts mehr . und nun iſt es Sonntag.

Meine Pathin, das iſt nicht mein Fehler, der Arzt Perordnet ) Doch man muß das Geld finden, um ſeine Verordnungen zu befolgen, und ich verdiene Lenwärtig nur mit großer Muhe zwanzig Sous im age.

*) In Betreff der Verordnungen der Aerzte, die zu⸗ weilen (obgleich unerläßlich) durchaus nicht mit den Mitteln der Kranken im Cinklang ſtehen, haben wir die folgende aufbewahrt, welche einer armen Frau auf dem Lande gemacht worden iſt; ſie war Witwe, und wenn ſie jeden Tag in den Wald und auf die Heide ging, konnte ſie kaum, in Betracht ihrer Schwäche (verurſacht durch eine allmälige Zerſetzung des Blutes), fünf bis ſechs Sous im Tag verdienen.

Die Verordnung lautet:

Jeden Morgen, nüchtern, einen Löffel voll Seguin⸗ Wein (die Flaſche zu 12 Fr.) nehmen.

Zum Frühſtück zwei weich geſottene Eier und eine geröſtete Cotelette.

Um zwei Uhr eine gute Fleiſchbrühe nehmen.

Zum Mittagseſſen eine fette Suppe, eine Schnitte geröſtetes Ochſenfleiſch und Gemüſe.

Bei jedem Mahl ein Glas reinen alten Wein trinken.

Sich beſonders vor der Kälte und der Feuchtigkeit bewahren; jeden Tag mäßige Bewegung.

Dieſe Verordnung, welche man für einen grau⸗ ſamen Hohn anſehen könnte, enthielt indeſſen nur die unerläßlichenVorſchriften, bei deren Nichtbeob⸗ achtung das arme Geſchöpf in einer gegebenen und nahen Zeit ſterben mußte. E. S.