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Geberde einen Seſſel und ſetzte ſich in einen alten ledernen Lehnſtuhl.
Mariette (dies war der Name des blonden Mäd⸗ chene) ſchlug die Augen nieder, erröthete ungemein und beobachtete einige Minuten ein verlegenes, beinahe pein⸗ liches Stillſchweigen. Eine heftige Aufregung machte ih⸗ ren Buſen unter dem alten grauen Merinoſhawl wogen, den ſie auf ihrem Kleide von verſchoſſenem Kattun trug, während ihre beiden auf ihrem Schooße gekreuzten Hände leicht zitterten.
Der Schreiber, der das Mädchen zu beruhigen wünſchte, ſagte liebreich zu Mariette:
„Auf, mein Kind, faſſen Sie ſich. Warum dieſe Verlegenheit? Sie wollen mich ohne Zweifel bitten, eine Pelition, ein Geſuch, einen Brief abzufaſſen 2
„Ja, „mein Herr ich komme . „ wegen ei⸗ nes Briefes .“
„Sie können alſo nicht ſchreiben?“
„Nein, mein Herr,“ antwortete Mariette, noch mehr erröthend, denn zu ihrer natürlichen Schüchternheit ge⸗ ſellte ſich die Scham über ihre Unwiſſenheit.
Der öffentliche Schreiber, der es bedauerte, ſeine Clientin gedemüthigt zu haben, fuhr mit herzlichem Tone fort:
„Armes Kind! halten ſie mich für fähig, Sie we⸗ gen Ihrer Unwiſſenheit zu tadeln?“
„Mein Herr . . 4
„Ah! glauben Sie mir,“ ſprach er innig, „es iſt im Gegentheil Rührung, Mitleid, was ich für die Per⸗ ſonen empfinde, welche, da ſie, wie Sie, keine erſte Bildung haben erlangen können, zu mir kommen müſſen. Arme Geſchöpfe, genöthigt, ſich an einen Dritten zu wen⸗ den, den ſie für ſchwatzhaft, ſpottiſch halten können! Und dennoch müſſen ſie ihn bei ihren geheimſten, theuerſten Gedanken ins Vertrauen ziehen! Das iſt peinlich, nicht wahr?“ 2


