Teil eines Werkes 
Die sieben Todsünden : 6. Abtheilung, Der Geiz : drei Bändchen (1851) Les sept péchés capitaux
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Die Millionäre. I.

Der ſeit vielen Jahren der Charnier des Innv⸗ cens genannte Platz, unfern von den Piliers des Halles gelegen, iſt immer wegen der großen Anzahl von öffentlichen Schreibern bekannt geweſen, welche ihre Buden in dieſem volkreichen Quartiere von Paris errichtet haben.

An einem ſchönen Morgen im Monat Mai 186

lief eine junge Perſon von ungefähr achtzehn Jahren, wie eine arme Arbeiterin gekleidet, deren reizendes, ſchwer⸗ müthiges Geſicht eine matte Bläſſe, einen Refler des Elends, zeigte, mit nachdenkender Miene auf dem Charnier des Innocens umher. Mehrere Male blieb ſie unentſchloſſen vor einigen Buden öffentlicher Schreiber ſtehen; aber mochten ihr die Einen zu jung ſcheinen, dünkte ihr die Phyſiognomie von Andern zu wenig einladend, oder waren ſie gerade Alle beſchäftigt, ſie ſetzte langſam ihre Nachforſchungen fort. Als ſie indeſſen an der Thüre der letzten Bude einen Greis von einer ehrwürdigen Phyſiognomie voll Sanft⸗ muth und Herzensgüte erblickte, zögerte ſie nicht, in das hölzerne Häuschen einzutreten.

Seinerſeits betroffen von der rührenden Schönheit der jungen Perſon, von ihrer beſcheidenen Haltung, von ihrer ſchüchternen und traurigen Miene, empfing ſie der Schreiber mit einer väterlichen Freundlichkeit und ließ ſie in die Bude eintreten, deren Thüre er ſchloß; dann zog der, beinahe in Lumpen gekleidete, gute Mann dis⸗ eret den Vorhang zu, hezeichnete ſeiner Clientin durch eine

Der Geiz. 1