Teil eines Werkes 
Die sieben Todsünden : 7. Abtheilung, Die Schlemmerei : zwei Bändchen (1852) Les sept péchés capitaux
Entstehung
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tereſſantes Buch über die Nuancen hinſichtlich der Sitten, des Charakters und der ſocialen Lage zu ſchrei⸗ ben, welche ſich unüberwindlich während der feierlichen Stunde des Mittagsmahles enthüllen. Doch das iſt nicht die Frage. Ich machte nur die Bemerkung, daß derjenige Mittagseſſer, welcher ſich mit einer gleichgül⸗ tigen, ſorgenvollen, hoffärtigen vder verdrießlichen Miene zu Tiſche geſetzt hatte, nach Maßgabe ſeines Eſſens und der Wahl und Vortrefflichkeit der Speiſen, einer Art von Seligkeit, von innerer Erſchließung nachzugeben ſchien, welche auf ſeiner Phyſiognomie, dem getreuen Spiegel ſeiner Seele, ſich reflectirte und ſtrahlte. An einem der Fenſter des Saales ſitzend, verfolgte ich meine Mittagseſſer bei ihrem Abgange aus dem Kaffeehauſez außen ſtand ein abgezehrtes, zerlumptes Kind, zitternd unter dieſem kalten Herbſtregen. Nun, meine Freunde, ich ſage es zum Lobe der Schlemmer, beinahe keiner von denjenigen, welche vortrefflich geſpeiſt hatten, ver⸗ weigerte ſein Almoſen dem ſchauernden, ausgehungerten, armen kleinen Geſchöpfe. Ohne meinen Nebenmenſchen zu verleumden, frage ich mich, ob dieſe Leute nüchtern ſich ſo zur Wohlthätigkeit geneigt gefühlt hätten, und ich möchte beinahe verſichern, der arme Bettelknabe würde bei ihrem Eintritt in das Kaffeehaus eine harte Abweiſung von der Mehrzahl eben dieſer Menſchen er⸗ fahren haben, die ſich bei ihrem Abgange ſo freigebig gegen ihn zeigten.

Will uns dieſer Heide nicht ſagen, die Wohlthä⸗ tigkeit könne aus der Schlemmerei entſtehen? rief der Abbé Ledoux.

Um Ihnen hierauf zu antworten, lieber Abbé, müßte ich in eine phyſiologiſche Erörterung in Betreff des Einfluſſes des Phyſiſchen auf das Moraliſche ein⸗ gehen, erwiederte der Doctor.Ich ſage Ihnen ganz einfach: Nicht wahr, Ihr habt Opferſtöcke für die Ar⸗ men vor den Thüren Eurer Kirchen? Niemand liebt und achtet mehr als ich die Wohlthätigkeit der Gläu⸗