132
und abwechſelnd von der Praris zur Philoſophie der Gaſtronomie übergehen, verehrungswürdiger Domherr.“
„Doctor, ich ſetze den Fuß auf die Schwelle des Paradieſes!“ rief der Domherr. „Ah! die Vorſehung iſt barmherzig, denn ſie überhäuft mit Gunſtbezeigun⸗ gen einen armen Sünder wie mich.“
„Ketzereil Gottloſigkeit! Blasphemie!“ rief der Abbé Ledoux; „Sie werden verdammt ſein! erzverdammt, Dom⸗ herr! nicht mehr und nicht weniger als Ihr Verſucher.“
„Ei! mein lieber Abbs,“ ſagte der Doctor, „keine ſolche Poſſen! Geſtehen Sie doch, daß ich Sie durch meine Raiſonnemens überzeugt habe.“
„Ich, ich ſoll überzeugt ſein!“
„Gewiß, denn ich fordere Sie auf, Sie und Ihres Gleichen, Vergangene, Gegenwärtige und Zukünftige aus folgendem Dilemma herauszukommen.“
„Laſſen Sie Ihr Dilemma hören.“
„Iſt die Schlemmerei eine Abſcheulichke ſo muß die Mäßigkeit bis auf ihre letzten Grenzen getrieben eine Tugend ſein.“
„Sicherlich,“ antwortete der Abbe.
„Je mäßiger man alſo iſt, mein lieber Abbé, deſto verdienſtvoller iſt man nach Ihrer Anſicht.“
Offenbar, Doctor.“
„Derjenige alſo, welcher von rohen Wurzeln leben und Waſſer trinken würde, in der Abſicht, ſich zu ka⸗ ſleien, wäre der Typus, der Prototypus eines tugend⸗ haften Menſchen?“
„Wer würde daran zweifeln! Sie finden dieſen himmliſchen Typus in den Einſiedlern.“
„Vortrefflich, Abbé! Nach ihren Proſelytenmacher⸗ ideen müſſen Sie nun nothwendig wünſchen, daß alle Ihre Brüder ſo viel als möglich ſich dieſem Typus der ide⸗ alen Vollkommenheit: einem eine Höhle bewoh⸗ nenden und von Wurzeln lebenden Men⸗ ſchen, nähern? Das ſchöne Ideal Ihrer religiöſen Ge⸗ ſellſchaft wäre eine Geſellſchaft von Höhlenbewohnern


