2⁸
und Dolores gleichzeitig die Augen auf, als ſie den Ka⸗ pitän Horace hörten.
Erinnern wir aber an die Disvoſition der Oert⸗ lichkeit, um das Wunderzu erklären, welches ſich den Blicken der Klausnerinnen offenbaren ſollte.
Zwei der dickſten Aeſte der Bäume des Boulevard liefen bis jenſeits der Kappe der Mauer des Kloſter⸗ gartens aus. Die Nacht war hell genug, daß Dolores und die Superiorin bald langſam, von Stricken gehalten, eine indiſche Hängematte ſich herabſenken ſahen, in deren der Kapitän Horace ausgeſtreckt lag, während er Dolores einen Hagel von Küſſen zuſandte.
Als die Hängematte noch zwei Fuß von der Erde entfernt war, rief der Kapitän:
„Stop!“
Die Hängematte blieb unbeweglich. Der Kapitän ſprang heraus und ſagte zu dem Mädchen:
„Geſchwinde, wir haben keinen Augenblick zu ver⸗ lieren. Theure Dolores, ſteigen Sie in dieſe Hänge⸗ matte und haben Sie nicht bange.“
„Sie werden mich eher tödten, Ruchloſer!“ rief dte Superiorin. Und ſie warf ſich auf das Mädchen⸗ umſchlang es mit ihren Armen und ſchrie: „Zu Hülfe! zu Hülfe!“
In dieſem Augenblicke ſah man in der Ferne, ganz in der Tiefe des Gartens, Lichter hin und her gehen.
„Dort ſind endlich Leute,“ rief die Aebtiſſin, ihr Geſchrei verdoppelnd: „Zu Hülfe! zu Hülfe.“
„Madame,“ ſagte der Kapitän, „laſſen Sie ſogleich Dolores los!“
Und, obwohl ungern Gewalt anwendend, befreite er das Mäbchen von der hartnäckigen Umſchlingung der Superiorin und hielt dieſe feſt, während Dolores in die Hängematte ſprang. Als ſie der Kapitän darin ſitzen ſah, rief er:
„Ohe! hiß!“


