21
„Wo dies?“
„Am Fuße, Madame; ich werde mich verrenkt. haben. Oh! wie leide ich, mein Gott! wie leide ich!“
„Suchen Sie aufzuſtehen, meine Tochter,“ ſagte die Superiorin, die ſich Dolores mit einem unbeſtimm⸗ ten Mißtrauen näherte, denn dieſe Verrenkung dünkte ihr ſonderbar. „Hier iſt mein Arm, ſtützen Sie ſich auf mich, kommen Sie.“
„Oh! unmöglich, Madame, ich wäre nicht im Stande, eine Bewegung zu machen.“
„Verſuchen Sie es wenigſtens.“
„Das will ich wohl,“ ſagte Dolores.
Und ſie machte Miene, als wollte ſie ſich aufrecht halten, aber ſie fiel wieder auf die Kniee und gab aber⸗ mals einen ſcharfen Schrei von ſich, der jenſeits der Gartenmauer gehört werden mußte.
Dann ſagte Dolores ſeufzend:
„Sie ſehen, Madame, es iſt mir unmöglich, mich zu rühren; ich bitte, kehren Sie nach dem Hauſe zurück und befehlen Sie, daß man mich mit einem Stuhle oder einer Sänfte abholt. Oh! wie leide ich! meia Gott! wie leide ich! Haben Sie Mitleid, Madame, keh⸗ ren ſie raſch nach dem Hauſe zurück, es iſt ſo weit! ich werde mich nie bis dorthin ſchleppen können.“
„Mein Fräulein,“ rief die Superiorin, „ich laſſe mich nicht von Ihnen bethören! Sie haben ſich ebenſo wenig verrenkt, als ich: das iſt eine abſcheuliche Lügel Sie wollen, ich weiß nicht aus welchem Grunde, mich entfernen und allein im Garten bleiben. Ahi Sie machen, daß ich meine Nachgiebigkeit ſehr bereue.“
Das leichte Geräuſch einiger Kieſelſteine, welche durch die Zweige der Bäume fielen, erregte die Auf⸗ merkſamkeit der Superiorin und von Dolores. Da erhob ſich dieſe behende und ſtrahlend und rief:
„Er iſt da!“
„Von wem ſprechen Sie, Unglückliche?“
„Vom Kapitän Horace,“ antwortete Dolores, in⸗


