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„Oh! Madame, bemerken Sie nicht den ſo liebli⸗ chen Geruch von jenem Bosquet?“
„Das ſind in der That einige Büſchel Reſeden. Doch kommen Sie; es iſt ſehr kühl; ich habe nicht Ihre ſechzehn Jahre, meine liebe Tochter, und ich befürchte den Schnupfen zu bekommen.“
„Ich bitte, einen Augenblick Geduld, damit ich ei⸗ nige von dieſen Blumen pflücken kann.“
„Ah! man muß Alles thun, was Sie wollen, meine liebe Tochter;. . die Nacht iſt hell genug, daß Sie dort, zehn Schritte von hier, die Reſeden ſehen; pflücken Sie davon und kommen Sie zurück.“
Dolores verließ den Arm der Superiorin und wandte ſich raſch nach den Blumenbüſcheln.
In dieſem Augenblick ſchlug es halb acht Uhr.
„Halb acht Uhr,“ murmelte Dolores bebend und horchend;z „er iſt da, er kommt.“
„Meine liebe Tochter, die Stunde des Abendbrods hat geſchlagen,“ ſprach die Superiorin, während ſie der Nichte des Domherrn entgegenging. „Hören Sie die Glocke? Geſchwinde! geſchwinde! kommen Sie; wir brauchen wenigſtens zehn Minuten, um das Haus wie⸗ der zu erreichen, denn wir ſind im Hintergrunde des Gartens.“
„Hier bin ich, Madame,“ rief Dolores, indem fie zu der Superiorin zurücklief, welche mit ſüßlichem Tone zu ihr ſagte:
„Oh! die kleine Tolle !.. ſie läuft wie ein er⸗ ſchrockenes Rehl⸗ 2 Plötzlich ſtieß Dolores einen ſcharfen Schrei aus und ſiel auf beide Kniee.
„Großer Gott!“ ſagte lebhaft die Superiorin, auf das Mädchen zuſtürzend; „was haben Sie, liebe Toch⸗ ter? warum dieſer Schrei? warum knieen Sie ſo?“
„Ah! Madame!“
„Was iſt es denn?“
„Welcher Schmerz!“


