Teil eines Werkes 
Die sieben Todsünden : 7. Abtheilung, Die Schlemmerei : zwei Bändchen (1852) Les sept péchés capitaux
Entstehung
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keinen Hunger mehr hat, kommt die Stunde der Ge⸗ wiſſensbiſſe.

Statt der Gewiſſensbiſſe müßte der Unglückliche Unverdaulichkeiten haben! rief Schweſter Prudence. Das würde ihn vielleicht beſſern.

Das iſt wahr, meine Schweſter, doch es iſt nicht ſo. Richtsdeſtoweniger vergeht das Leben des Dom⸗ herrn damit, daß er genießt und genoſſen zu haben bereut; mit Hülfe ſeiner Gewiſſensbiſſe und ſeines Aber⸗ glaubens erwartet er zuweilen ſogar eine plötzliche und furchtbare himmliſche Strafe; kommt aber der Appetit wieder, ſo kommt mit ihm das Vergeſſen der Reue, und ſo iſt es lange beim Domherrn geweſen.

Im Ganzen, mein Bruder, finde ich ihn noch we⸗ niger ſchuldig, als dieſe Sardanapale, wie Ihr Doctor Gaſterini, welche auf eine freche Weiſe ohne irgend eine Furcht genießen. Der Domherr hat wenigſtens das Bewußtſein ſeiner Sünde: das iſt ſchon etwas.

Nachdem ich den Character des Domherrn ſo hervorgehoben habe, werden Sie ſich nicht mehr wun⸗ dern, daß Don Diego, da er, in Cadir anweſend, er⸗ fuhr, en Schiff, genannt der Gaſtronom, laufe nach Frankreich aus, dieſe Gelegenheit, ſich auf dem ſo glücklichen benannten Dreimaſter einzuſchiffen und bei ſeiner Ankunft in Bordeaur einige Tonnen Wein von den koſtbarſten Gewächſen kaufen zu können, mit beiden Händen ergriff.

Gewiß, ich ſehe das ein, mein lieber Bruder.

Der edle Don Diego iſt nun auf dem Ga ſtro⸗ nom mit ſeiner Nichte eingeſchifft. Man kann ſich, ſagte mir der Haushofmeiſter, man kann ſich keine Vorſtel⸗ lung von der Menge von Mundvorräthen, von Waaren, von Erfriſchungen aller Art machen, mit denen der Domherr das Verdeck dieſes Schiffes überladen hat, eine übrigens durch alle Regeln der Schifffahrt ver⸗ botene Ueberladung; doch der Commandant des Drei⸗ maſters, ein gewiſſer Kapitän Horace, ein Ungläubiger,