Teil eines Werkes 
Die sieben Todsünden : 5. Abtheilung, Die Trägheit : zwei Bändchen (1848) Les sept péchés capitaux
Entstehung
Einzelbild herunterladen

25

weſen, als der Mittwoch, und ladet ſie ein, Sonntag wieder zu kommen.

Und ich ſchwöre Ihnen bei meiner Ehre, ſprach Herr von Luceval, nachdem er den Brief von Florence ebenfalls mit der größten Verwunderung geleſen hatte, ich ſchwöre Ihnen, daß geſtern meine Frau um die Mittagsſtunde aufgeſtanden iſt . . . daß ich ſie nur mit großer Mühe bewogen habe, um drei Uhr mit mir auszufahren, wir ſind zum Mittageſſen nach Hauſe zurückgekehrt, und nach dem Mittageſſen kamen zwei uns befreundete Perſonen und brachten den Abend mit uns zu. Was den Mittwoch betrifft, ſo erinnere ich mich vollkommen, daß ich mehrere Male zu meiner Frau gegangen bin, und ich verſichere Sie auf's Neue bei meiner Ehre, daß Frau von Infreville den Tag nicht bei uns zugebracht hat.

Aber den Brief, mein Herr, wie erklären Sie ihn?

Ich erkläre ihn nicht, ich beſchränke mich darauf, daß ich Ihnen ſage, was iſt. Glauben Sie mir, es liegt mir ebenſoviel als Ihnen daran, das Geheimniß zu ergründen.

Oh! ich werde mich rächen, rief Infreville mit gedrängter Wuth.Nun habe ich keinen Zweifel mehr. Als ich erfuhr, meine Frau ſei ſeit einiger Zeit ganze Tage abweſend, regte ſich in mir ein unbeſtimmter Ver⸗ dacht Ich fragte ſie nach der Urſache ihrer Abwe⸗ ſenheit, ſie antwortete mir, ſie bringe oft ihre Tage bei einer ihrer Freundinnen aus dem Kloſter, Frau von Luceval zu. Der Name war ſo ehrenvoll, die Sachs ſo möglich, der Ton meiner Frau ſo aufrichtig, daß ich ihr wie ein Dummkopf glaubte. Aber ich weiß nicht, was für ein inſtinktartiges Mißtrauen, in Verbindung mit dem Wunſche, einen vom Anſtand geforderten Schritt bei Ihnen zu thun, beſtimmte mich, Sie aufzuſuchen, und Sie ſehen, welche Entdeckung ich gemacht habe Oh! die Elende! die Schändliche!

Ich bitte, beruhigen Sie ſich, ſagte Herr von