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„Eine ganz Paris bekannte Dirne; mein Mant unterhielt ſie auf eine glänzende Weiſe und ſo offen⸗ daß ich den Scandal durch das öffentliche Gericht er⸗ fuhr. Ich machte Herrn von Infreville einige Vor⸗ ſtellungen, großer Gott! nicht aus Eiferſucht, aber ich bat ihn, aus Rückſicht für mich den Anſchein zu mei⸗ den. Gerade die Mäßigung meiner Vorwürfe erzürnte meinen Mann; er fragte mich mit der frechſten Ver⸗ achtung, mit welchem Recht ich mich in ſein Benehmen miſche. Er warf mir mit aller Härte vor, ich habe ihm ein Lvos zu verdanken, auf das ich nie hätte An⸗ ſpruch machen können, und da er mich ohne Mitgift geheirathet, ſo müſſe er ſich vor meinen Anſchuldigungen geſchützt glauben.“
„Das iſt ſchändlich, abſcheulich!“
„„Aber, mein Herr,““ ſprach ich zu ihm, „„da Sie offen Ihre Pflichten verletzen, was würden Sie ſagen, wenn ich die meinigen vergäße?““
„„Zwiſchen Ihnen und mir läßt ſich kein Vergleich machen. Ich bin der Herr; an Ihnen iſt es, zu ge⸗ horchen; Sie ſind mir Alles ſchuldig, ich bin Ihnen Richts ſchuldig; ſeien Sie ſo unglücklich, Ihre Pflichten zu verletzen, und ich ſetze Sie auf's Pflaſter, Sie und Ihre Mutter, die von meinen Wohlthaten lebt.““
„Ah! das iſt zu viel Unverſchämtheit und Grauſamkeit!“
„Ich hatte eine gute und redliche Eingebung; ich ging zu meiner Mutter, entſchloſſen, mich für immer von meinem Manne zu trennen .. . und nie mehr zu ihm zurückzukehren. „„Und ich, was ſoll aus mir wer⸗ ben, leidend, ſchwach, wie ich bin?““ ſagte meine Mutter zu mir. „„Die Armuth iſt für mich der Tod. und dann, mein armes Kind „ eine Trennung iſt unmöglich. Dein Mann iſt in ſeinem Recht, ſo lange er ſeine Geliebte nicht da unterhält, wo Du wohnſt; das Geſetz iſt für ihn, und da er Deiner bedarf, da er an Deine gute Pflege gewöhnt iſt, ſo wird er Dich nicht von Trennung ſprechen hören wollen und Dich


