Teil eines Werkes 
Die sieben Todsünden : 5. Abtheilung, Die Trägheit : zwei Bändchen (1848) Les sept péchés capitaux
Entstehung
Einzelbild herunterladen

9

zum Caucaſus, gehen Sie zum Nordpol, laufen Sie . wir werden Beide dabei gewinnenich betrübe Sie nicht mehr mit dem Schauſpiel meiner unge⸗ heuerlichen Unempfindlichkeit . und Sie reizen mir nicht mehr die Nerven durch die beſtändige Auf⸗ regung, die Sie abhält, einen Augenblick auf dem Platz zu bleiben oder die Andern darauf zu laſſen. Zwanzigmal des Tags treten Sie bei mir ein, einzig und allein um des Vergnügens willen, zu kommen' und zu gehen. Denn es iſt ganz unglaublich, Sie wecken mich Morgens um fünf Uhr auf, um mir Spazierritte vorzuſchlagen oder mich in die Schwimmſchule zu führen. Sind Sie nicht ſogar ſo weit gegangen, daß Sie mich aufforderten, ein wenig Gymnaſtik zu treiben? Gym⸗ naſtik! Nur Sie in der ganzen Welt können ſolche Ideen haben! Ich wiederhole Ihnen auch, mein Herr, Ihre ungeräumten Vorſchläge, Ihr Hin⸗ und Herlaufen, dieſer Lärm, dieſe beſtändige Bewegung, die unabläſſige Thätigkeit, von der Sie beſeſſen ſind, bereiten mir we⸗ nigſtens ebenſo viel Verdruß, als meine Trägheit Ihnen verurſacht; Sie dürfen nicht glauben, Sie haben ſich allein zu beklagen . und da wir gerade daran ſind, uns Wahrheiten zu ſagen, ſo erkläre ich Ihnen meiner⸗ ſeits, mein Herr, daß mir ein ſolches Leben unerträg⸗ lich iſt, und daß es mir, wenn es ſo fortdauern ſoll, unmöglich ſein wird, zu widerſtehen!

Was meinen Sie damit, Madame?

Ich meine damit, daß wir große Thoren wären, wenn wir uns Zwang anthun und beengen würden. Sie haben Ihren Geſchmack, ich habe den meinigen; Sie haben Ihr Vermögen, ich habe das meinigez leben wir nach unſerem Gutdünken und leben wir um des Himmels willen beſonders in Ruhe.

In der That, Madame, ich bewundere Sie, das iſt ganz außerordentlich. Ah! Sie glauben, ich habe mich verheirathet, um nicht nach meinem Gutdünken zu leben?