Teil eines Werkes 
Die sieben Todsünden : 4. Abtheilung, Die Unkeuschheit : vier Bändchen (1848) Les sept péchés capitaux
Entstehung
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Er liebt Dich immer noch ebenſo ſehr und vielleicht noch mehr, als in der Vergangenheit, arme Närrin. Denn Du biſt für ihn die erprobteſte Gattin, die zärtlichſte Mutter ſeiner Kinder; doch Du biſt nicht mehr die be⸗ rauſchende Geliebte von ehemals; er hat auch nicht mehr für Dich jene zärtliche, glühende Liebe der erſten Tage Eures Glückes; es iſt etwas nackt, was ich Dir da ſage, meine gute Sophie.. doch der gute Gott weiß, was er thut; er hat uns nicht von unmateriellen Weſen ge⸗ ſchaffen; wohl iſt nicht Alles an uns Materie, es iſt aber ebenſo wenig Alles Geiſt. Glaube mir, es liegt etwas Göttliches im Vergnügen; man muß es auch ſchmücken, ſchön herausputzen, ihm Wohlgeruch verleihen. Kurz, verzeihe mir die Ungehenerlichkeit in der Che. ſiehſt Du. . ein kleiner Grad Unkeuſchheit.. . iſt nicht zu viel, um den durch dle Gewohnheit entſchlummerten Sinn wie⸗ ver zu erwecken. ſonſt hat die anlockende Geliebte fiets den Vorzug vor der Frau und unter uns geſagt, das

iſt immer ein wenig der Fehler der Gattin, denn warum f

ſollten im Ganzen die Pflichten der Frau und der Mut⸗ ter unverträglich mit den Verführungen und der Woluſt der Geliebten ſein? warum ſollte der Vater, der Gatte nicht auch ein entzückender Liebhaber ſein? Höre, Sophie, ich will in zwei Worten, mit meiner gewöhnlichen Derb⸗ heit, Deine Stellung und die meinige zuſammenfoſſen: Dein Mann ltebt Dich, und er begehrt Dich nicht er liebt mich nicht, und er begehrt mich.

Dann fügte die Marquiſe wie toll lachend bei:

Iſt es nicht ſeltſam, daß iche eine Jungfrau, und 5 zwar leider eine bei der Frage durchaus nicht betheiligte, denn ich bin wie ein Gourmand ohne Magen, der von einer köſtlichen Speiſe ſprechen würde, iſt es nicht ſeltſam vaß ich einer verheiratheten Frau Unterricht ertheile?

Ah! Magdalena, rief Sophie mit vollem Erguß, Du wirſt uns heute zweimal gerettet haben.. Denn