Teil eines Werkes 
Die sieben Todsünden : 4. Abtheilung, Die Unkeuschheit : vier Bändchen (1848) Les sept péchés capitaux
Entstehung
Einzelbild herunterladen

21¹ der Kunde einer unerwarteten Rettung hätte werden müſſen.

Offenbar nahm ein anderer Kummer Madame Du⸗ tertre in Anſpruch; nach einem Augenblick aufmerkſamen Stillſchweigens fragte auch Magdalena:

Sophie Du verbirgſt mir etwas, Dein Kummer hat ſein Ende noch nicht erreicht?

Kannſt Du das glauben, während durch Deine Hülfe, Magdalena, unſere Zukunft heute ſo ſchön, ſo geſichert iſt, als ſie geſtern verzweifelt war, während...

Ich ſage Dir, meine arme Sophie, daß Du noch leideſt. .. Ich müßte in Deinen Zügen die vollſtändigſte Freude leſen . . . und Du kannſt kaum Deinen Kummer verbergen.

Sollteſt Du mich für undankbar halten?

Ich glaube, daß Dein armes Herz verwundet iſt . ja, und dieſe Wunde iſt ſo ſchmerzlich, daß ſie nicht ein⸗ mal durch die gute Kunde, die ich Dir bringe, gemil⸗ dert wird.

Magdalena, ich beſchwöre Dich. . . laß mich .. ſchaue mich nicht ſo an . . . das betrübt mich; befrage mich nicht; aber glaube mir, oh! ich flehe Dich an, glaube mir, daß ich in meinem Leben nicht vergeſſen werde, was wir Dir verdanken, ſprach Madame Du⸗ tertre.

Und ſie verbarg ihr Antlitz in ihren Händen und zerfloß in Thränen.

Die Marquiſe dachte einen Augenblick nach, ſchien zu zögern, und ſagte dann:

Sophie, wo iſt Dein Mann?

Die junge Frau bebte, erröthete und erbleichte ab⸗ wechſelnd, und rief unwillkührlich und beinahe mit Angſt: Du,willſt ihn alſo ſehen?

Ja.

Ich weiß nicht. . . ob er. . . in dieſem Augenblick in der Werkſtätte iſt, ſtammelte Madame Dutertre. ..