Teil eines Werkes 
Die sieben Todsünden : 4. Abtheilung, Die Unkeuschheit : vier Bändchen (1848) Les sept péchés capitaux
Entstehung
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Die zuletzt genannte Allee mündete in geringer Ent⸗ fernung von dem Fenſter des Salon aus, in welchem ſich Herr Pascal aufhielt; bald wurde ſeine Aufmerkſamkeit aus mehreren Gründen lebhaft erregt.

Der junge Mann, der durch das Zimmer der Se⸗ cretaltes und Hofleute gegangen und wegen ſeiner Schüch⸗ ternheit der Gegenſtand mehrerer Bemerkungen geweſen war, ſchritt langſam in der ſchattigen Allee auf und ab. Er war ſchlank und zierlich gewachſen; von Zeit zu Zeit ſtand er ſtille, ſenkte den Kopf, blieb einen Augenblick unbeweglich und ſetzte dann ſeinen Spaziergang wieder fort; wenn er das Ende der Allee erreicht hatte, näherte er ſich beinahe verſtohlen der Grenzmauer ves anliegenden Gartens, und da an dieſer Stelle die Mauer kaum vier Fuß hoch war, ſo ſtützte er ſich darauf und ſchien in ein Nachdenken oder in eine Erwartung verſunken.

Bis dahin hatte der Spaziergänger Herrn Pascal den Rücken zugewendet und dieſer fragte ſich neugierig, was der junge Mann, deſſen Züge er noch nicht hatte unterſcheiden können, betrachten oder erwarten möchie; als er aber, da er ohne Zweifel nicht geſehen, was er mit dem Blick zu ſuchen ſchien; ſich umdrehte und gegen das zurückkehrte, wandte er Herrn Pascal das Ge⸗ icht zu.

Der Graf Franz von Neuberg galt, wie ge⸗ ſagt, für einen Pathen des Erzhetzogs, der ihn zärtlich liebte. Nach Hofgerüchten fehlte es S. K. H., die aus ihrer Ehe mit einer Prinzeſſin von Sachſen Teſchen keine Kinder gehabt hatte, nicht an Gründen, Franz von Neuberg, die geheime Frucht einer erſten Liebe, v äterlich zu behandeln.

Zur Zeit vieſer Erzählung kaum zwanzig Jahre alt, bot Franz den vollendeten Typus der melancholiſchen Schönheit des Norden; mitten auf ſeiner weißen, reinen Stirne wie die eines Mädchens geſcheitelt, umrahmten ſeine langen weißen Haare ein vollkommen regelmäßiges Geſicht; in ſeinen großen, himmelblauen Augen mit dem