Teil eines Werkes 
Die sieben Todsünden : 3. Abtheilung, Der Zorn (1848) Les sept péchés capitaux
Entstehung
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Nach einigen Augenblicken neigte ſich auch Suſanne an das Ohr ihres Neffen und ſlüſterte ihm zu:

Es iſt noch nicht Alles verloren. fahre fort, fahre fort, mein liebes Kind.

Oneſime fuhr alſo fort:

Legoffin und ich, wir begaben uns nach Dieppe. Von dort gingen zu jener Zeit die verwegenſten Korſaren aus, und wir traten Beide als einfache Matroſen in den Dienſt. Ich mußte die harte Lehre dieſes Handwerks durchmachen.

So unternahmen wir mehrere Fahrten. In unſe⸗ ren Augenblicken der Ruhe und des Feierns ſtudirte ich emſig die Mathematik und die Theorie der Schifffahrtskunſt, um, wenn ich genug praktiſche Erfahrung erlangt hätte, ſelbſt einen Korſaren befehligen zu können.

Dieſe Lehre dauerte zwei Jahre, während welcher wir viele blutige Gefechte lieferten.

Was ich vorhergeſehen, geſchah.

Dieſes Leben des Kampſes, der Gefahren war mein Glement. Beim Herannahen eines Zuſammenſtoßens mit den Engländern fühlte ich alle Symptome eines dumpfen Zorns. Sobald der Kampf begonnen hatte, brach dieſe Furie wie der Blitz hervor und verzehnfachte meine Kräfte.

Eines wird Dir ſeltſam vorkommen, mein Kind, und dennoch iſt es erklärlich.

Nachdem ich meiner Hitze einen freien Erguß gege⸗ ben und ſo den Lebensüberfluß, der in mir ſtrömte, verbraucht hatte, fühlte ich mich auf lange Zeit friedlicher und ruhiger, und dies in einem ſolchen Maß, daß mich in den gewöhnlichen Lebensverhältniſſen ein oft kindiſcher Widerſpruch und Oppoſitionen, die mich ſonſt zur höch⸗ ſten Wuth reizen konnten, nun beinahe immer gleichgültig und friedfertig fanden; oft, mein Kind, habe ich Dich auch ſeit einigen Jahren meinen geduldigen, verſöhnlichen, leicht zugänglichen Charakter loben hören.

Muß ich dieſe Veränderung dem Fortſchritt des Al⸗ ters zuſchreiben? Ich weiß es nicht; es iſt vielleicht im