Teil eines Werkes 
Die sieben Todsünden : 3. Abtheilung, Der Zorn (1848) Les sept péchés capitaux
Entstehung
Einzelbild herunterladen

206

noch zu dieſer Stunde frage ich mich, durch welches Wun⸗ der ſie, die ein Nichts erſchreckte, in dieſer Nacht eine ſolche Charakterſtärke zeigen konnte.“

„Fräulein Sabine?“

„Es iſt unglaublich, ſage ich Dir; während Du ſo muthig unſeren Zuftuchtert vertheidigteſt, ſtand die liebe Arme (es iſt mir, als ſähe ich ſie noch), bleich, aber entſchloſſen da. .. Ihre erſten Worte waren: „„Mein Gott, ich danke Dir! mein Vater iſt abweſend, ich werde allein ſterben.““

„Oh! das iſt ſchön von ihr „ immer dieſes edle, große Herz.“

„Dann, indem ſie Dich mit ruhigen, beinahe ſtol⸗ zen Augen anſchaute, ſprach ſie zu mir: „„Hältſt Du ihn nun für muthig ?... Er wird ſich für uns tödten laſſen, aber wir werden wenigſtens mit ihm ſterben.““

„So viel Reſignation,“ ſagte Oneſime, während er ſeine Hand an ſeine feuchten Augen drückte, „ſo viel Ent⸗ ſchloſſenheit bei ihr... das verwirrt mich ganz.“

„Dieſe furchtſamen Herzen, welche gewöhnlich ein Nichts erſchreckt, begeiſtern ſich vielleicht im Gegentheil bei großen Gefahren. .. So viel iſt gewiß, daß Sabine ſich heldenmüthig gezeigt hat; ſie ſah Dich fallen. .. Als Du endlich von der Ueberzahl beſiegt, und von einem tödtlichen Streich getroffen bewußtlos auf die Thürſchwelle niedergeſchmettert wurdeſt, ſtürzten vier von den Banditen, deren Anführer, ein bleicher Menſch mit rothen Haaren, den Arm in einer Binde trug, in das Zimmer. „„One⸗ fime iſt für uns geſtorben. Nun kommt die Reihe an uns. Gott befohlen, Suſanne,““ ſagte Sabine zu mir, indem ſie mich mit den Armen umſchlang . . . und leiſe murmelte ſie: „„Gott befohlen, guter Vater.““ „Liebevoll und muthig bis zum Ende!“ ſprach One⸗ ſime ſeine Thränen trocknend. „Ich fühlte mich weniger ergeben als ſie. Ich hatte Dich blutend auf die Thürſchwelle niederſtürzen ſehen, warf mich dem Anführer der Mörder zu Füßen und rief: