Teil eines Werkes 
Die sieben Todsünden : 3. Abtheilung, Der Zorn (1848) Les sept péchés capitaux
Entstehung
Einzelbild herunterladen

13

von Yvon ſteigen und kochen; ſein ganzer Koͤrper bebte in ungeſtümem Wechſel; vas Blut ſirömte nach ſeinen Händen und ſeinem Geſicht; ſeine funkelnden Augen unter⸗ liefen ſich nach und nach, während die hervorſpringenden Adern ſeiner kräftigen Arme wie Stricke anſchwollen; ſeine Züge drückten eine Art von wilder Befriedigung ahs; er ſchien ſich bei Annäherung der Gefahr in ſeinem We⸗ ſen zu fühlen und frei zu athmen. Dieſes übermäßig ſan⸗ guiniſche Temperament, dieſe ungeſtüme, überftrömende, beinahe beſtändig durch tauſend geſellſchaftliche Convenien⸗ zen im Zwang gehaltene Natur konnte die Fülle ihrer Ausdehnung, die Allmacht ihrer Thätigkeit nur in den hef⸗ tigen Bewegungen des Kampfes, der Gefahr und des Zorns erreichen.

Die Ungeduld und die zornmüthige Hitze von YMon waren ſo groß, daß er ſich, raſcher ausgekleidet als der Advocat, auf dieſen geſtürzt hätte, würden ihn nicht ſeine zwei Zeugen jeder bei einem Arm zurückgehalten haben.

Endlich öffneten ſich die Schranken.

Einer von den Zeugen ſprach das feierliche Wort:

Vorwärts, meine Herren.

Clvarek drang mit einer ſo ſtürmiſchen Wuth auf ſei⸗ nen Gegner ein, daß dieſer, verblüfft durch den gewaltigen Angriff, aus der Lage wich und ſo gut als möglich pa⸗ rirte; doch nach einem Gefechte von zwei Minuten war ſein Vorderarm durchbohrt, und er ließ ſeinen Degen un⸗ willkührlich fallen.

Genug, meine Herren, riefen die Zeugen, als ſie einen von den beiden Gegnern entwaffnet ſahen.

Zum Unglück war der Zorn des Bretagners ſo hef⸗ tig, daß er die Frieden ſtiftenden WorteGenug, meine Herren, nicht hörte und ſeinen Angriff gegen ſeinen Widerſacher verdoppelte, als dieſer, der ſich im Gan⸗ zen brav benommen hatte, da er ſich ohne Vertheidigungs⸗ mittel den Streichen eines Wahnſinnigen ausgeſetzt ſah, rückwärts ſprang, eine raſche Volte machte und entlief.

Der wüthende Bretagner wollte ihm nacheilen, doch