190
„Wir werden uns nie, nie mehr verlaſſen.“
Marie wollte dann beinahe inſtinctartig den Blick von David ſuchen, aber ein außerordentliches Zartgefühl hält ſie zurück, ſie wendet die Augen ab, ihre Bläſſe ver⸗ wandelt ſich in eine leichte Röthe und ſie drückt ihren Sohn in einer neuen Umarmung an ſich.
Einundzwanzigſtes Rapitel.
Es waren ungefähr drei Wochen ſeit der Nachricht vom Tode von Herrn Baſtien vergangen.
So viele heftige und entgegengeſetzte Gemüthsbewe⸗ gungen hatten die Krankheit von Marie noch mehr ge⸗ fährlich und verwickelt gemacht.
Zwei Tage lang war ihr Zuſtand ein beinahe ver⸗ zweifelter geweſen, dann hatte er ſich allmälig gebeſſert durch die Bemühungen des Doctor Dufour und durch die unausſprechlichen Hoffnungen, aus denen die junge Frau Kraft und Willen genug ſchoͤpfte, um zu leben, um den Tod zu bekämpfen.
Nach Verlauf von einigen Tagen begann die Wieder⸗ geneſung, und obgleich vieſe lange währe nund aus Furcht vor einem Rückfall, der immer gefährlicher, als die Krank⸗ heit ſelbſt, die großte Pflege erfordern mußte, ſo hatte doch alle Beſorgniß aufgehört.
Bedarf es der Erwähnung, daß ſeit der Nachricht vom Tode des Herrn Baſtien David und Marie nicht ein Wort mehr geſprochen hatten, das auf ihre geheimen und ſicheren Hoffnungen anſpielte?
Diefe zwei auserkohrenen Seelen beſaßen die köſtliche


