28
nicht, welchem Umſtand ſie den unglaublichen Beſuch zu⸗ ſchreiben ſollte.
Marguerite glaubte, Madame Baſtien ſuche die Be⸗ deutung der Worte: „Ich werde oft mit dem Stab meines Alters hierherkommen“ und fügte bei:
„Die Frau Marquiſe wollte damit ſagen, ſie werde Sie oft mit ihrem Enkel, dem Herrn Marquis, heſuchen.“
„Sie hat das geſagt!“ rief Marie, ſchon bei dem Gedanken eines Zuſammentreffens von Frederik und Ravul von Pont⸗Brillant zitternd; „ſie hat Euch geſagt, ſie werde „kommen mit? 4
„Mit dem Herrn Marquis, ja, und die gute Dame ſprach ſogar: „Er iſt hübſch artig, der Stab meines Alters, ſonſt auch mein Enkel genannt, und freigebig wie ein König. Nun, da ich das Unglück habe, Madame Baſtien nicht zu treffen, ſo muß ich gehen. Doch ſage, meine Tochter,“ fügte die Frau Marquiſe bei, „ich habe Durſt zum Erwürgen. Könnteſt Du mir nicht ein gutes Glas reines Waſſer geben?“ „Gewiß, Frau Mar⸗
quiſe,“ antwortete ich ganz beſchämt, daß mich eine ſo
vornehme Dame um ein Glas Waſſer bat; doch in mei⸗ nem Innern ſagte ich: Sicherlich hat die Frau Marquiſe aus Höflichkeit Waſſer verlangt, ich will ihre Höflichkeit erwiedern und ihr Wein geben; ich laufe in meine Küche, ſchenke ein volles Glas Wein ein, ſtelle es auf einen ſehr reinlichen Teller und kehre zum Wagen zurück.
„Marguerite, Ihr hättet Frau von Pont⸗Brillant ganz einfach das Glas Waſſer, das ſie verlangte, geben ſollen; doch gleichviel .
„Verzeihen Sie, Madame, ich hatte im Gegentheil S daß ich ihr Wein gab, denn die Frau Marquiſe kin
„Das volle Glas Wein?“
„Ja, Madame, gar nicht ſtolz . . dvas heißt, ſie benetzte nur ihre Lippen damit und ließ das Uebrige eine andere alte Dame trinken, welche bei ihr war und den Wein vielleicht nicht liebte, denn ſie machte eine Gri⸗


