„Iſt es die Ruhe, welche folgt, wenn ſich der Sturm gelegt hat, oder iſt es die trügeriſche Ruhe, die einem neuen Sturm vorhergeht? Das werden wir ſpäter er⸗ fahren . .. Es iſt auch möglich, daß meine Ankunft dieſe Umwandlung bei Frederik bewirkt hat.“
„Wie dies, Herr David?“
„Vielleicht fühlt er, daß unſere doppelte Ueberwachung ihm jeden neuen Racheverſuch unmoͤglich machen muß ... vielleicht befürchtet er auch, mein Scharfſinn könnte in Verbindung mit dem Ihrigen ſein Geheimniß ergründen, und verdoppelt deshalb ſeine Verſchloſſenheit und Zurück⸗ haltung. Es iſt unſere Aufgabe, eine zweifache Aufmerk⸗ ſamkeit anzuwenden.“
„Und was haben Sie aus den Heften erſehen, die Sie geſtern Abend mitgenommen?,
„Nachdem ich lange über die Ihnen bekannten Bruch⸗ ſtücke von Sätzen nachgedacht, glaubte ich eine, wenn auch ſchwache, unſichere Andeutung zu finden ..
„Und dieſe Andeutung!“ fragte Madame raſch.
„Erlauben Sie mir, Ihnen nicht mehr zu ſagen, . ehe ich weiter auf dem noch ſehr dunklen Wege vorge⸗ drungen bin, den mir dieſe Andeutung zu öffnen ſcheint.. Täuſcht mich meine Ahnung nicht, führt ſie mich auf die Entdeckung einiger bezeichnender Thatſachen, ſo kann ich Ihnen meinen Gedanken genau auseinanderſetzen; iſt er richtig, ſo wird Sie ſeine Unleugbarkeit ergreifen, und ſtark durch unſere beiderſeitige Ueberzeugung werde ich dann mit groͤßerer Sicherheit zu Werke gehen. Mein Gott, Ma⸗
dame,“ fügte David traurig lächelnd bei, „ich bitte Sie
tauſendmal wegen dieſes Schweigens um Verzeihung, aber unſere Aufgabe iſt ſo zarter, ſo ſchwieriger Natur, daß ein Nichts Alles gefährden oder Alles retten kann. Ich bitte alſo noch einmal um Verzeihung.“
„Sie bitten mich um Verzeihung, Herr David, wäh⸗ rend Ihre Zurückhaltung mir ein neuer Beweis von Ihrer edelmüthigen Fürſorge für mein theuerſtes⸗ für mein
einziges Intereſſe auf dieſer Erde iſt! .
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