Teil eines Werkes 
Die sieben Todsünden : 2. Abtheilung, Der Neid oder Frederik Bastien : 4. bis 7. Bändchen (1848) Les sept péchés capitaux
Entstehung
Einzelbild herunterladen

W

25

Inſtinkte der Gegenſtand einer höchſt gehaltvollen Beſpre⸗ chung; bald erzählte David beim Anblick einer ſehr alten Ruine, welche in der Nähe des Pachthofes lag, Frederik einige Thatſachen bezüglich auf die kriegeriſchen und aben⸗ teuerlichen Sitten des Mittelalters oder er theilte ihm einige Legenden von einer reizenden Naivetät mit... Der Jüngling hörte artig zu, antwortete aber einſylbig und behielt ſeine eiſerne Maeke.

Bei der Rückkehr vom Spaziergang nahm Frederik ein Buch, las bis zum Mittagsbrod und bat, kurz nach dem Eſſen, ſeine Mutter um Erlaubniß, ſich entfernen zu dürfen.

Als Marie und David allein waren, wechſelten ſie einen Blick tiefer Traurigkeit; ſie begriffen, wie nichtig und unwirkſam dieſer erſte Tag war.

Nichts konnte bei ihm Anklang finden, ſagte David nachdenkend,nichts. Es iſt mir unmöglich geweſen, ihn einen Augenblick zu ergreifen, um ihn nach und nach und ſeiner unbewußt in die Sphäre der Ideen zu ziehen, in

die ich ihn führen wollte.

Während Sie ihn früher entzückt, hingeriſſen über die ſo verſchiedenartigen Bemerkungen und Aufſchlüſſe, die Sie ſo anziehend zu machen wiſſen, gefunden hätten, Herr David

Finden Sie nicht, daß ſeit geſtern irgend eine Re⸗ volution bei ihm vorgegangen iſt, welche plötzlich die Härte ſeines Charakters, wenn ich ſo ſagen darf, verſchwinden gemacht hat?

Ich habe dies wie Sie wahrgenommen.

Und ich bin beinahe verſucht, dieſe Veränderung zu beklagen, fügte David bei.So ſchmerzlich, ſo ein⸗ ſchneidend ſolche Härten auch ſind, ſo bieten ſie doch we⸗ nigſtens einen Angriffspunkt . . . Was iſt aber vor einer glatten, eiskalten Oberfläche zu machen? ... Doch gleich⸗ viel, fuhr er, nachdein er einen Augenblick nachgevacht, fort,wir müſſen ein Mittel der Einwirkung finden.

Und was denken Sie von dieſer plotzlichen Verän⸗ derung, Herr David?