Teil eines Werkes 
Die sieben Todsünden : 2. Abtheilung, Der Neid oder Frederik Bastien : 4. bis 7. Bändchen (1848) Les sept péchés capitaux
Entstehung
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Dich . . . und wäre er nicht überzeugt, wie er Dir ſelbſt geſagt hat, er werde Dich von Deinen ungerechten Vor⸗ urtheilen durch eifrige Sorge und Güte zurückbringen .. Er wird für Dich nicht ein Lehrer ſein, ſondern ein Freund ohne das Mißverhältniß Eures Alters würde ich ſagen Bruder . .. Morgen früh wirſt Du ihn ſehen, und nicht wahr, Du wirſt für ihn die achtungsvollen Rück⸗

ſichten haben, welche ſein Wohlwollen gegen Dich heiſcht?

Frederik antwortete nicht, ſeine Lippe zog ſich leicht zuſammen, und er ſenkte den Kopf er ſchien ſeit dem Eintritt ſeiner Mutter ihre Blicke zu vermeiden.

Madame Baſtien war durch lange Gewohnheit tief vertraut mit der Phyſiognomie ihres Sohnes ſie be⸗ griff, daß er ein hartnäckiges Stillſchweigen zu beobachten entſchloſſen war, drang nicht weiter in ihn und kehrte zu David zurück.

Nach einem einfachen Abendbrod, erkundigte ſich Ma⸗ dame Baſtien nach ihrem Sohn; er ſchien ruhig. Sie ging wieder zu David, der ſich im Studirzimmer befand, welches zugleich als Salon diente.

Außen hörte man nur das Pfeifen des Herbſtwindes; das Feuer im Kamin kniſterte und warf einen rothen Schimmer auf den Boden, während eine Lampe mit Schirm ein halbverſchleiertes Licht in dem Zimmer ver⸗ breitete, wo Marle mit David allein war.

Dieſer wollte ſie ihrem ſchmerzlichen Gedanken ent⸗ ziehen, während er ſie mit ihrem Sohn beſchäftigte, und bat fie, ihm die Studienhefte, die Ueberſetzungen von Frederik, ſo wie einige der Phantafie entſprungene Erzäh⸗ lungen und mehrere Dichtungen zu zeigen, die er zu einer Zeit geſchaffen hatte, wo er noch der Stolz und die Freude ſeiner Mutter war.

David hoffte unter dieſen von dem Jüngling geſchrie⸗ benen Blättern, auf welche Madame Baſtien wiederholt während des Abendeſſens angeſpielt hatte, einen Gedanken, einen Satz, ein Wort zu finden, das vielleicht den Keim

Die ſieben Todſünden. U. Abth. 2r Bd. 2