12
So ſprach ſie dann zu David mit einer tiefen Ge⸗ müthsbewegung: „Jeder Dank, den ich gegen Sie ausdrücken könnte, äte David ließ ſie nicht vollenden. „Dank.. Sie ſind mir keinen Dank ſchuldig, Ma⸗ dame unſer Freund hat Ihnen meinen Brief vorge⸗ klen ich ſage Ihnen abermals, daß ich in dem Werke, vs ich zu vollbringen verſuchen will, zugleich eine Zer⸗ ſtreuung für grauſamen Kummer und eine Art von frommer Ehrerbietung finde, die ich dem Andenken eines Bruders, eines armen beweinten Kindes darbringe.“ „Ich will für jetzt nicht länger hiebei verweilen, mein Herr. . . Meine Worte würden Ihnen auch nur ſchwach ſchilvern, was ich fühle. . . erlauben Sie mir nur eine Bemerkung über eine Frage, welche zu berühren mir pein⸗ lich iſt“ fügte Madame Baſtien die Augen niederſchlagend und erröthend bei. „Ich bitte Sie zum Voraus wegen der beſcheidenen, beinahe armen Eriſtenz, die Sie hier finden, um Verzeihung und ich „Erlauben Sie mir, daß ich Sie unterbreche,“ erwie⸗ derte Herr David lächelnd. „Ich bin viel gereiſt. . Oft finden dieſe Reiſen unter ſchwierigen, harten Umſtänden ſtatt.. und ſo bin ich ein wenig Seemann und Soldat geweſen . . . und damit ſage ich Ihnen, wie einfach meine Gewohnheiten ſind „ 3 „Das iſt noch nicht Alles,“ ſpra Madame Baſtien mit wachſender Verlegenheit „„ich lebe beinahe immer allein „ Die Geſchäfte meines Manne halten ihn häufig fern von Hauſe zuweilen aber mt er zurück, um einige Tage hier zuzubringen . und
„Erlauben Sie mir, Madame, Sie abermals zu un⸗ terbrechen,“ erwiederte gerührt von dieſer Verlegenheit David, indem er ſo gleichſam dem, was ſie ihm zu ſagen zögerte, entgegenkam. „Ich habe durch unſeren gemeinſchaftlichen Freund einige Kenntniß von den Gewohnheiten von Herrn David erhalten Sie werden mich daher ſtets eifrig


