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Gegen Abend trat eine merkliche Beſſerung im Zu⸗ ſtand von Frederik ein und das Delirium hoͤrte auf; das unglückliche Kind dankte ſogar mit einem ungewöhnlichen Erguß ſeiner Mutter für ihre Sorge und vergoß reichliche Thränen.
Von der Verzweiflung zu einer tollen Hoffnung über⸗ gehend, bildete ſich Marie ein, die Heftigkeit dieſer Kriſe habe eine heilſame Revolution in dem Geiſte ihres Sohnes bewerkſtelligt, und er ſei gerettet. Gegen zehn Uhr Abends gab ſie den Bitten des Doctors nach, der ihr die Beru⸗ higung, die ihm der Zuſtand des Kranken gewährte, da⸗ durch bewies, daß er nach Pont⸗Brillant zurückkehrte, und willigte ein, ſich zu Bette zu legen, während ihre Magd bei ihrem Sohn wachte. Durch die Müdigkeit, durch die Aufregung der letzten Tage gelähmt, genoß die junge Mutter die erquickende Ruhe eines tiefen Schlafes, nachdem ſie die Thüre ihres Sohnes offen zu laſſen befohlen hatte.
Als der Morgen kam, war der erſte Gedanke von Madame Baſtien bei ihrem Erwachen, zu Frederik zu gehen; er ſchlief . . . Sie entfernte ſich ſachte, hieß durch ein Zeichen Marguerite ihr folgen und fragte ganz leiſe:
„Wie hat er die Nacht zugebracht?“
„Sehr gut, Madame; er iſt nur zweimal aufgewacht und hat mit mir geſprochen ſehr vernünftig geſpro⸗ chen, das verſichere ich Sie.“
„Und worüber hat er mit Euch geſprochen?“
„Mein Gott, Madame, über allerlei Dinge; er fragte mich zum Beiſpiel, indem er mich bat, Ihnen nichts davon zu ſagen, als ob dies etwas ſehr Schlimmes wäre, er fragte mich, wo ſeine Flinte ſei,“
„Seine Flinte?“ verſetzte Madame Baſtien, in neuer Angſt bebend.
„Dieſe Flinte, Madame, mußte ich, wie Sie ſich erinnern, vorgeſtern auf Ihren Befehl verbergen
„Und . fragte Madame Baſtien voll Bangig⸗ keit, „und er hat nichts beigefügt?“
Die ſieben Todſünden. U. Abth. 4r Bd. 12


