21
vr i3 aber Schlimmes habe, meine Halsſtarrigkeit zum
eiſpiel. . .“
„Oh! was das betrifft,“ unterbrach Madame Baſtien Frederik, den ſie auf die Stirne küßte, „dieſes liebe Kopf⸗ chen will wohl, was es will. Das iſt die Wahrheit, ich kenne keinen energiſcheren Willen, als den Deinigen . So wollteſt Du bis jetzt hartnäckig der zärtlichſte, der beſte der Söhne ſein .. und Du biſt Deinem Entſchluß nicht ungetreu geworden .. „Dann fügte die Mutter mit einer köſtlichen Bewegung bei:
„Höre, mein geliebtes Kind, ich rühme Dich nicht. Doch jeder Tag bringt mir einen neuen Beweis von der Güte, von dem Edelmuth Deines Herzens. Wenn ich Dir ſchmeichelte, ſo wären die Bewohner unſerer kleinen Welt, wie Du es nennſt, meine Genoſſen, und wir find zu arm und zu ſehr Feinde der Lüge, um Schmeichler zu haben. Und dann,“ fügte Madame Baſtien lebhaft bei, „wenn ich eines Beiſtands bedürfte, um Dich zu über⸗ zeugen, ſo würde ich das Zeugniß des vortrefflichen Mannes anrufen, der dort kommt ... Er kennt Dich beinahe eben⸗ ſo gut, als ich, und Du wirſt mir zugeſtehen, daß ſeine Aufrichtigkeit nicht verdächtig iſt.⸗
Derjenige, von welchem Madame Baſtien ſprach, kam unter den Bäumen herbei; es war ein Mann von ungefähr vierzig Jahren, von kleiner, ſchwächlicher Geſtalt und ſehr vernachläßigtem Aeußern, dabei ſeltſam häßlich, doch von einer geiſtreichen Häßlichkeit, welche den gut⸗ müthigen Charakter nicht verkennen ließ; er hieß Dufour, übte die Arzneiwiſſenſchaft in Pont⸗Brillant aus, und hatte im vorhergehenden Jahr durch ſeine Kenntniſſe und ſeine Sorgfalt Frederik von einer ſchweren Krankheit errettet.
„Guten Morgen, meine liebe Madame Baſtien, ſagte heiter der Doctor, während er ſich der jungen Frau und ihrem Sohn näherte. „Guten Morgen, mein Kind,“ fügte er, Frederik herzlich die Hand drückend, bei.
„Ah! Doctor, Doctor,“ rief Madame Baſtien, „Sie
kommen ſehr zur rechten Zeit, um ausgezankt zu werden.“


