20
gebens auf einen Augenblick des Kummers oder der Trau⸗ rigkeit beſinnen, nicht wahr, Frederik?“
„Du haſt mich ſtets ſo ſehr verwöhnt.“
„Herr Frederik weiß durchaus nicht, was er ſpricht,“ erwiederte Madame Baſtien, einen komiſchen Ernſt heu⸗ chelnd, „es gibt nichts Verdrießlicheres, Unerträglicheres und beſonders Unglücklicheres, als ein verwöhntes Kind. . Ich möchte wohl wiſſen, welche Launen, welche Phantaſien ich bei Ihnen ermuthigt oder begünſtigt habe, mein Herr? Laſſen Sie hören: ſuchen Sie, ſuchen Sie .. .“
„Ich glaube wohl, Du läſſeſt mir keine Zeit zu Wünſchen, Du beſchäftigſt Dich mit meinen Erholungen, mit meinen Vergnügungen wenigſtens ebenſo ſehr, als mit mir, denn in der That, ich weiß nicht, wie Du es machſt, aber mit Dir vergeht die Zeit ſo raſch ... ſo raſch .. daß ich nicht glauben kann, wir haben ſchon das Ende des Juni erreicht... und ich werde daſſelbe am Ende des Januars ſagen, um immer wieder ſo anzufangen.“
„Es handelt ſich nicht darum, zu ſpotten, mein Herr, ſondern mir zu ſagen, wann ich Sie verdorben habe, und ob ich nicht im Gegentheil ſehr ſtreng, ſehr anſpruchsvoll in Beziehung auf Ihre Arbeitsſtunden geweſen bin?“
„Ja ich rathe Dir hievon zu ſprechen! Theilſt Du nicht meine Studien wie meine Spiele? Die Arbeit hat mich auch immer ebenſo ſehr beluſtigt, als die Erholungs⸗ ſtunden .. Nicht wahr, ein ſchönes Verdienſt?“
„Aber, Herr Frederik, Sie haben zwei Preiſe in Pont⸗Brillant davongetragen, und damals war ich nicht dabei. Kurz, ich hoffe. „
„Ah! Mutter,“ ſagte Frederik, indem er ſeinen Arm um den Hals von Marie ſchlang, die er mit Küſſen in vollem Erguß unterbrach, „ich behaupte, daß ich, wenn ich glücklich bin, dies Dir zu verdanken habe .. Wenn ich etwas weiß, etwas werth bin, iſt es abermals durch Dich..
ja, einzig durch Dich .. Habe ich Dich je verlaſſen?
Ja, Alles, was Gutes an mir iſt, kommt von Dir. .


