Teil eines Werkes 
Die sieben Todsünden : 1. Abtheilung, Die Hoffart oder Die Königin : 8. bis 11. Bändchen (1847) Les sept péchés capitaux
Entstehung
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„Ich ſage Ihnen aber, daß ich ihn als Notar ge⸗ meldet habe.“

„Es iſt wahr,“ ſprach der Erſpezereihändler an den Nägeln kauend, „es iſt wahr Gleichviel, ich bleibe die ganze Zeit hier, und werde vielleicht im Vorübergehen, wenn ſie ſich wieder entfernen, etwas ergattern.“

Und Herr Bouffard ſing wieder an vor der Loge der Portiere auf- und abzugehen.

Nie war, wie man ſich denken kann, eine glänzendere Geſellſchaft in dem beſcheidenen Zimmer von Herminie verſammelt geweſen.

Die Künſtlerin genoß ein großes Glück, indem ſie die unerwartete Entwickelung einer durch ſo viele Prüfungen erſchwerten Liebe betrachtete; was ihr aber die unausſprech⸗ lichſte Gemüthsbewegung bereitete, war der Umſtand, daß ſie Fräulein Bertha von Senneterre, die Schweſter von Gerald, die älteſte Tochter der Herzogin, bei ſich empfing.

„Ah! Madame,“ ſagte Herminie mit erſchütterter Stimme und die Augen in Thränen gebadet, denn ſie be⸗ griff die außerordentliche Zartheit des Benehmens der Mutter von Gerald; konnte dieſe ihr eine ſtärkere Genug⸗ thuung für ihre Worte am Tage vorher bieten, als wenn ſie ihre Tochter zu Herminie führte? „Ah! Madame,“ wiederholte die junge Künſtlerin, „Fräulein von Senneterre hier zu ſehen, wäre mein innigſter Wunſch geweſen, wenn ich auf dieſe Ehre zu hoffen gewagt hätte.“

„Bertha nimmt zu viel Antheil an dem Glück ihres Bruders, um nicht eine der Erſten ihre liebe Schwägerin begrüßen zu wollen,“ erwiederte Frau von Senneterre mit dem liebevollſten Ton.

Dann ſagte Fräulein von Senneterre, eine reizende Perſon, denn ſie glich ungemein Gerald, mit einer be⸗ zaubernden Liebenswürdigkeit:

„Ja, mein Fräulein, es lag mir daran, Sie zuerſt zu begrüßen . . . und beſonders Ihnen zu danken . . . denn mein Bruder iſt ſehr glücklich! und ich weiß es, ich ſehe es er hat tauſend Gründe, glücklich zu ſein!“